Im Underdog Fanzine ist ein Interview mit Alexa von der Orga-Gruppe des laDIYfest Kiel erschienen. Darin geht es unter anderem um unsere Kritik an Cissexismus und Transmisogynie beim laDIYfest Kiel 2014, weshalb wir das Interview hier auszugsweise dokumentieren

Das laDIYfest 2014 ist vorbei, das nächste ist in Planung. Als ihr anfingt zu planen, wart ihr vier Freundinnen, „die eine unterschiedlicher als die andere“. Welche feministische Theorien und Debatten habt ihr denn als Gruppe geführt, bis aus diesen das Ergebnis laDIYfest feststand?
Die Idee für das erste laDIYfest in Kiel ist in dieser Konstellation tatsächlich bei einer heißen Tasse Tee entstanden. Wir haben als Freund_innen oft über sexistische Strukturen gesprochen und uns über persönliche Erfahrungen ausgetauscht und diskutiert, wie mensch sich selbstermächtigen kann, um aus unangenehmen Situationen nicht als „Verliererin“ rauszugehen.
Das hört sich vielleicht komisch an, aber oftmals ist es doch so, wenn du als Frau, und ich spreche jetzt aus meiner persönlichen Perspektive, angemacht wirst oder blöd angequatscht wirst, fühlst du dich einfach oft als „Verliererin“, wenn dir nichts „schlagkräftiges“ einfällt, was du deinem unerwünschten Gegenüber an den Kopf zurückwerfen kannst oder du fühlst dich einfach ziemlich scheiße und angegriffen und irgendwie auch in eine „Opferrolle“ gedrängt, in der du dich nicht gerne siehst. Mir ging es auf jeden Fall schon oft so. Dabei sollte sich eigentlich der Mensch, der dich in diese unangenehme Situation bringt dämlich fühlen, denn es ist doch einfach nur erbärmlich, wenn ein Mensch es nötig hat, einen anderen Menschen so zu bedrängen. Je öfter ich mit Freund_innen über Situationen aus meinem Alltag gesprochen habe, desto offensichtlicher wurde es, dass ich nicht die Einzige bin, der diese Situationen passieren und die dann oftmals nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Dieses Thema beschäftigt mich schon sehr lange. Für mich ist das laDIYfest also tatsächlich aus einem Selbstermächtigungswunsch heraus entstanden. Ich hatte den Wunsch einen Raum zu schaffen, mit Menschen denen ich vertraue, in dem wir uns austauschen können und in dem wir uns gegenseitig unterstützen und zuhören, um so die Möglichkeit zu haben voneinander zu lernen. Es gab für mich zu diesem Zeitpunkt noch keine feministische Theorie, die dabei vordergründig eine Rolle gespielt hätte.

Die erste schwierigere Diskussion hatten wir dann, als wir uns darüber unterhalten haben, ob wir cis-Männer zum ersten Kieler laDIYfest einladen sollten. Wir haben uns aber dann ziemlich schnell von diesem sogenannten „Differenzfeminismus“ verabschiedet und uns entschieden, dass das laDIYfest für Menschen sein soll und nicht für Männer oder Frauen, zumal das eine ziemlich engstirnige und überholte Ansichtsweise ist, denn schließlich gibt es nicht nur das eine oder das andere Geschlecht. Mit der Konstruktion von Geschlecht haben wir uns tatsächlich ziemlich intensiv auseinandergesetzt und tun es immer wieder, denn das Lernen hört ja niemals auf. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden einige cis-Männer freie Räume einzurichten. Dafür gab es viel Kritik. Vor allem von unseren cis-männlichen Freunden, die sich dadurch ausgeschlossen gefühlt haben. Trotzdem stehen wir hinter diesem Konzept, da eine Gleichstellung von, und jetzt muss ich doch wieder mit diesen Kategorien arbeiten, was ich nicht gerne tue, „Männern“ und „Frauen“ de facto noch nicht gibt und es einfach sensible Themen gibt, die Mensch als Frau nicht gerne in der Anwesenheit von Mensch als Mann preisgibt und diskutiert. Da gab es z.B. diesen Workshop über Fett-Empowerment von Magda Albrecht aus Berlin, der ohne die Anwesenheit von cis-Männern durchgeführt wurde. Sowieso, wenn es um Körperlichkeit ging, so z.B. auch körperliche Gewalterfahrungen von Frauen, ist es einfach wichtig einen geschützten Raum zu schaffen und wir haben die Räume als geschützt empfunden, in dem die Menschen ausgeschlossen waren, von denen die Gewalt in den meisten Fällen ausgeht. Die Perspektive von Transmenschen und Menschen, die sich als intersexuell begreifen haben wir da an der einen oder anderen Stelle auf jeden Fall nicht richtig mitgedacht, bzw. haben es nicht richtig geschafft, die Perspektive zu wechseln. Auch dafür gab es Kritik von der trans*genialen f_antifa aus Berlin. Aus diesem Fehler, der auf jeden Fall der größte Fehler des ersten laDIYfestes war, haben wir auf jeden Fall sehr viel gelernt und wir haben uns stark mit unserer persönlichen Position beschäftigt. Ich z.B. als weiße, heterosexuelle, (gesellschaftlich gelesen) gesunde Frau, kann eben nur für mich sprechen und nicht für einen Menschen, der gesellschaftlich ganz anders gelesen wird. […]

Es gab keinen inhaltlichen Schwerpunkt. Doch besonders eine Schwerpunktsetzung böte die Möglichkeit, immer neue Artikulationen der politischen Interventionen hervorzubringen.
Findest du? Ich sehe das ein bisschen anders. Die Beschränkung auf einen Schwerpunkt könnte auch den Eindruck erwecken, dass eine besondere Art von Diskriminierung besonders wichtig und damit wichtiger als andere sein könnte. Uns ging es aber um die Vielzahl der Diskriminierungsformen, die in unserer Gesellschaft (leider!) eine Rolle spielen. Dank unseren Refrent_innen Julia Lemmle und Sharon Dodua Otoo haben wir uns z.B. mit Rassismus und Critical Whitness auseinandergesetzt. Die Aspekte Körper und Gesundheit wurden dank Magda Albrecht und Petra Benz thematisiert. Dank der trans*genialen f_antifa wurde die Perspektive von Trans- und Interpersonen doch noch ein Teil des ersten Kieler laDIYfestes etc. pp.
Ich persönlich fand es total positiv, dass wir eine so große Vielzahl an Themen auf dem laDIYfest hatten, über die wir diskutieren konnten. […]

Welche Ideen/Erfahrungen sind aus dem laDIYfest Kiel 2014 entstanden?
Also, wir waren auf jeden Fall zu wenig Menschen in der Orga-Gruppe. Nur Dank unserer vielen Freund_innen und Helfer_innen hat trotzdem alles so gut geklappt.
Dann war da noch die Geschichte mit der trans*genialen f_antifa. Das habe ich ja ein bisschen erläutert. Die trans*geniale f_antifa hat sich innerhalb des laDIYfestes mit Transmysogonie (Anmerkung der Red.: Abwertung und Diskriminierung von Trans*-Frauen/Trans*-Weiblichkeiten) in feministischen Räumen beschäftigt und hat dafür auch einen kleinen Text aus unserem Programm herangezogen. Das war erstmal ein ziemlich doofes Gefühl. Das Gefühl, das mensch was falsch gemacht hat und das wir damit andere Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen haben. Keine schöne Erkenntnis. Aber andererseits haben wir daraus auch unglaublich viel gelernt. Die Kritik von der trans*genialen f_antifa war vielleicht unser größtes Gesprächsthema während der wenigen Pausen während und dann auf jeden Fall nach dem laDIYfest in unserer Reflexionszeit. Was ich persönlich echt gut fand war, dass die Menschen, der trans*genialen f_antifa trotzdem nach Kiel gekommen sind und vielleicht auch gerade deshalb. Weil die Menschen unser Programm gesehen haben und das Gefühl hatten, dass etwas übersehen wurde, was sie durch ihre Perspektive anders darstellen können. Das fand ich ziemlich stark und ich habe mich darüber gefreut. Wir laden die Menschen von der trans*genialen f_antifa auch auf jeden Fall zum nächsten laDIYfest nach Kiel ein, weil sie mit ihrer Gruppe unglaublich wichtige und relevante Arbeit zum Teil (leider!) sehr differenzfeministisch geprägten Diskurs leisten.