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in deutscher Sprache

Alphabetisch nach Titel sortiert

Antisexismus_reloaded
Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch für die antisexistische Praxis

re.ACTion

Antisexismus_reloaded bietet einen Ausweg aus dem Kreislauf üblicher Debatten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt und zeigt einen emanzipatorischen Ansatz auf.
Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben als auch an solche, die Erfahrungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Anschaulich und zugleich fundiert werden die entscheidenden Punkte angesprochen, kontextualisiert und Vorschläge für einen reflektiertes Handeln dargestellt.
Ein aktuelles Buch mit Grundlagen zu Definitionsmacht, Parteilichkeit, Veröffentlichung, Unterstützer_innengruppe, Umgang in Politgruppen, Täterumgang, etc. hat bislang gefehlt.

78 Seiten
Verlag: Unrast
ISBN: 978-3897713017


Baustelle Revolution
Erinnerungen eines Anarchisten

Lucio Urtubia

Lucio Urtubia, 1931 in einem kleinen Dorf in Navarra geboren, wächst unter ärmlichen Verhältnissen auf. Mitte der 1950er Jahre flüchtet er nach Frankreich, wo er Kontakt zu anarchistischen Gruppen aufnimmt. Von Paris aus unterstützt er den Widerstand gegen die Franco-Diktatur. Fälschen von Dokumenten, Verstecken von Untergrundkämpfern und illegale Geldbeschaffungsaktionen sind fortan Teil seines Lebens. 1980 gelingt ihm sein größter Coup: Durch den Druck von Travellerschecks der Citibank im Wert von mehreren Millionen Dollar zwingt er die mächtigste Bank der Welt in die Knie. Das Leben Lucio Urtubias, das wie ein Abenteuerroman klingt und verfilmt wurde, ist ein Spiegel der revolutionären Bewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

256 Seiten
Verlag: Assoziation A
ISBN: 978-3935936842


Darum Feminismus!
Diskussionen und Praxen

Affront

Die Texte wollen ›Basics‹ feministischer Theorie und Praxis näher bringen. Es geht darum, verschiedene (links)radikale feministische Ansätze zusammen zu denken und diese Überlegungen auf Themenbereiche linker Politik anzuwenden: Wo ist eigentlich ist der Ausgangspunkt unserer Kämpfe? Wie sehen feministische Perspektiven auf Freiraumpolitik aus? Wie auf Antimilitarismus, Rassismuskritik, Antifaschismus und Antikapitalismus? Wie war das mit der Definitionsmacht und was genau ist konsensualer Sex? Und diese Fragen sind noch lange nicht alle.Dieses Buch soll Lust auf Auseinandersetzung mit feministischen Praxen und Perspektiven machen und Zugänge zum Thema erleichtern. Es geht auch darum, verschiedene (links)radikale feministische Ansätze zusammen zu denken und diese Überlegungen auf Themenbereiche linker Politik anzuwenden um Feminismus innerhalb der radikalen Linken sichtbarer zu machen und damit auch selbstverständlicher innerhalb politischer Praxen. Im ersten Teil stellen wir feministische Ansätze und Debatten vor um von dort aus zu fragen, wo der Ausgangspunkt unserer Kämpfe ist und sein kann.Im zweiten Teil geht es um feministische Zugänge zu verschiedenen Politikfeldern. Wie sehen feministische Perspektiven auf Freiraumpolitik aus? Wie auf Antimilitarismus, Antifaschismus und Antikapitalismus? Gerade auch der Feminismus selbst wird unter die Lupe genommen beim Thema Rassismuskritik. Was ist das problematisch an Weißem Feminismus, wo liegen seine Leerstellen? Und dann: Was hat Feminismus mit Stadtpolitik zu tun? Schließlich: Was heißt körperliche Selbstbestimmung in unserer Praxis? Wie war das mit der Definitionsmacht und was genau ist konsensualer Sex? Und das ist noch lange nicht alles, was wir fragen wollen. In der Reflexion auf diese Politikbereiche werden auch die Tücken des Feminismus angesprochen, die Leerstellen, und die Instrumentalisierungen. Wir enden mit einem Plädoyer für einen solidarischen Bezug der Feminismen und anderer Kämpfe.

287 Seiten
Verlag: Unrast
ISBN: 978-3897713031


Das Feld des Vergessens
Jüdischer Widerstand und deutsche »Vergangenheitsbewältigung«

Ingrid Strobl

Für Chaika. Erinnerungen an Bialystok | Es ging nur um die Art zu sterben. Der Aufstand im Warschauer Ghetto | Vergessene Heldinnen. Jüdische Frauen im Widerstand | Rechter Blutrausch. Antisemitsmus in Tirol | Brauner Werbespot. Der Film Beruf Neonazi | »Schöne Zeiten«. Der Kommandant von Treblinka | Vernichtung ohne Vernichter. Ausstellung im Haus der Wannsee-Konferenz | Wann begann das Grauen. Zum Film Befreier und Befreite | Die Wahl der Erinnerung | Das unbegriffene Erbe. Bemerkungen zum Antisemitismus in der Linken | »Der Tod war mein Lehrmeister«. Die Lyrikerin Nelly Sachs

140 Seiten
Verlag: Edition ID-Archiv
ISBN: 978-3894080365


Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark
Beiträge zur Geschichte und Gegenwart

Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle

Nur zwei Gedenktafeln auf dem Uckermark-Gelände erinnern heute an das »Jugendschutzlager Uckermark«, in dem von 1942-1945 ca. 1200 Mädchen und junge Frauen inhaftiert waren. Das Lager in unmittelbarer Nähe des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück gehört zu den vergessenen Konzentrationslagern Deutschlands. Es galt lange Zeit als Teil des Fürsorgesystems, in dem als »asozial« eingestufte junge Frauen »erzogen« werden sollten. Daß es sich bei der Jugendfürsorge nie um ein unpolitisches Helfen handelte, belegen die Beiträge über das nationalsozialistische Fürsorgesystem, das keinen Raum für ein von der gesellschaftlichen Norm abweichendes Verhalten ließ. Anhand von Akten rekonstruieren die AutorInnen die Einweisungspraxis in das Lager und zeigen die enge Verzahnung zwischen Fürsorgeeinrichtungen, Polizei und dem »Kriminalbiologischen Institut« auf. Die unmenschlichen Bedingungen in dem »Jugendschutzlager«, zu denen Zwangsarbeit u.a. für Siemens, ein absolutes Redeverbot, Schikanen und Strafen sowie eine katastrophale Unterversorgung gehörten, schildern mehrere Zeitzeuginnen in eindringlichen Berichten. »Wir Jungen haben ja noch nicht gelebt. Wir haben vorher nicht gelebt und nachher nicht,« beschreibt Käthe Anders die Auswirkungen der Uckermark-Zeit auf ihr Leben. Die Überlebenden des Lagers, das in den letzten Kriegsmonaten auch als Vernichtungslager v.a. für Frauen aus dem KZ Ravensbrück benutzt worden war, kämpfen bis heute um ihre Anerkennung als Verfolgte und um eine Entschädigung, von der sie – in Fortsetzung der Diskriminierung durch die Nazis – als »Asoziale« ausgeschlossen werden. Ausgrenzung und Verdrängung spiegeln sich auch im heutigen Umgang mit dem Gelände des Mädchen-KZ und Vernichtungslagers wider. Nachdem das Gelände jahrzentelang militärisch genutzt worden war, sind kaum noch Spuren des Lagers vorhanden. Die Erforschung des Geländes steht bis heute aus, nur auf einem Teilstück konnten im Rahmen internationaler workcamps Ausgrabungen durchgeführt werden und damit das ehemalige Lager sichtbar machen.

326 Seiten
Verlag: Unrast
ISBN: 978-3897712041


…denn ihrer war die Hölle.
Kinder in Ghettos und Lagern

Inge Deutschkron

Ich empfinde Wehmut und Dankbarkeit, daß dieses Buch noch einmal, zum dritten Mal aufgelegt wird. Es ist innerhalb der vergangenen 20 Jahre in fünf Sprachen erschienen. Zu keiner Zeit in diesen letzten 20 Jahren, seitdem ich es schrieb, habe ich das Schicksal der Kinder von Auschwitz vergessen können. Es war, als habe sich ihr fürchterliches Los, die Qual ihres Lebens und die ihres Sterbens in mein Gedächtnis eingraviert. Ich weiß aus Briefen, daß es vielen meiner Leser ähnlich wie mir ergangen ist. Sicherlich war dies ein natürlicher Vorgang angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die in den von mir vorgelegten Zeugnissen zum Ausdruck kommen.

Ich trug diese Beweise der Grausamkeiten, begangen an den hilflosesten aller Geschöpfe, zusammen, weil ich glaubte, sie könnten endlich zu der Erkenntnis beitragen: Die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion ist Unrecht. Mensch ist gleich Mensch, Kind gleich Kind vor den Werten des Lebens.

(aus dem Vorwort zur Neuauflage 1985)

157 Seiten
Verlag: Wissenschaft und Politik
ISBN: 978-3804685659


Deutschland Schwarz Weiß
Der alltägliche Rassismus

Noah Sow

Wir sind mit den vielfältigsten Rassismen aufgewachsen. Im Kindergarten spielten wir »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann«. Wir denken uns nichts dabei, wenn uns im Schuhgeschäft die Figur eines schwarzen Dieners aus Porzellan begrüßt. Wir stutzen, wenn die Anwältin, die vor Gericht erscheint, Schwarz ist. Alltäglicher Rassismus beginnt nicht erst bei gewalttätigen Übergriffen. Er manifestiert sich in Aussagen wie »die deutsche Nationalmannschaft ist ja wirklich nicht sehr deutsch« oder in der Feststellung, die Sängerin Jessye Norman trete »wie eine Stammeskönigin« vor ihr Publikum. Wenn wir gefragt werden, sind wir natürlich gegen Rassismus. Um ihn jedoch bewusst bekämpfen zu können, muss man ihn zunächst verstehen lernen. Und dazu müssen wir lieb gewordene ›Gewissheiten‹ hinterfragen.

Vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Antirassismus-Arbeit legt Noah Sow den Finger in die Wunde des unbewussten Rassismus und sorgt für jede Menge erkenntnisfördernder Stolpersteine. Sie erklärt, warum es schlimmer ist, »Die weiße Massai« zu Ende zu lesen, als nicht zur Lichterkette zu gehen; wie selbst UNICEF-Werbungen sich rassistischer Klischees bedienen – und was Schwarze Menschen denken, wenn Weiße sie auf ihre Haare ansprechen. Noah Sow spricht unbequeme Wahrheiten aus und stößt damit einen Erkenntnisprozess an, der Veränderungen bewirkt. Das wird sich lohnen – für alle.

320 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3570010082


Die Anderen Geschichten | Los Otros Cuentos
Erzählungen von Subcomandante Marcos | Relatos del Subcommandante Marcos

Subcomandante Marcos

Subcomandante Marcos, der seit dem Aufstand der EZLN am 1. Januar 1994 nicht nur als Kommandant der Zapatistischen Befreiungsarmee, sondern auch als begabter Poet und Schriftsteller in aller Welt bekannt wurde, übersetzt in seinen Schriften die Sprache der Indígenas aus Chiapas, Mexiko, in eine Sprache, wie sie auch in der westlichen Welt und heutigen Zeit verständlich ist—ohne dass sie den Zauber ihrer Herkunft und jahrhundertealten Tradition einbüßt. Die politisch-philosophischen Botschaften der Erzählungen können dort wie hier als Anregungen für eine radikal-emanzipatorische Praxis gelesen werden.

100 Seiten
Verlag: Unrast
ISBN: 978-3-89771-036-8


Die Angst kam erst danach
Jüdische Frauen im Widerstand 1939-1945

Ingrid Strobl

Von der Rettung jüdischer Kinder bis zur ‚Liquidierung‘ von Gestapospitzeln, von der Herstellung falscher Papiere bis zum Transport von Waffen und Informationen: von Frankreich bis Polen engagierten sich jüdische Frauen aktiv im Widerstand gegen die deutsche Besatzung und die Politik der ‚Endlösung‘. In einer vergleichenden Studie untersucht Ingrid Strobl erstmals die Beteiligung jüdischer Frauen am Widerstand im von den Deutschen besetzten Europa. Anhand von Archivmaterial, Briefen und Tagebüchern und der knapp sechzig ausführlichen Interviews, die sie mit ehemaligen jüdischen Widerstandskämpferinnen aus ganz Europa geführt hat, erhellt sie ein bislang verborgenes Kapitel der Geschichte des zweiten Weltkriegs und der Shoa.

480 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596136773


Fantifa
Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken

Herausgeber_innenkollektiv

In den frühen 1990er Jahren gründeten sich, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen, feministische Antifa- oder Frauen-Antifa Gruppen. Aktivistinnen dieser Fantifa-Gruppen und aktueller feministischer Antifa-Gruppen werden im Buch zu Wort kommen, um einen wichtigen Teil antifaschistischer Geschichte und Gegenwart sichtbar zu machen und gleichzeitig zu feministischen Perspektiven in antifaschistischer Politik anzuregen.Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen 1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen Geschichtsschreibung spielen sie kaum eine Rolle.
Das Buch Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik will das ändern. Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das Herausgeber_innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus, Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.
Das Buch richtet sich an Aktivist_innen, Einsteiger_innen und Interessierte.

196 Seiten
Verlag: Edition Assemblage
ISBN: 978-3-942885-30-0


Hau ab, Mensch!
Xosé Tarrío

Wenn Nelson Mandela davon sprach, das Gefängnis beraube den Menschen nicht nur seiner Freiheit, sondern suche auch ihm die Identität zu nehmen, dann legt das hier zu besprechende Buch von Xose‘ Tarrio, der 2005 in Spanien starb, Zeugnis davon ab, wie Gefangene ihre Identität verteidigen und trotz unmenschlicher, trotz erniedrigender Behandlung und Folter ihr Mensch sein bewahren.

Zehn Jahre brauchte es, bis das im Original in Spanien („Huye, hombre, huye. Diario de un preso FIES“) 1997 erschienene bibliografische Buch von Xosé nun in deutscher Übersetzung vorliegt: „Hau ab, Mensch!“

Auf über 300 Seiten berichtet Xosé von den einzelnen Gefängnissen, in denen er im Verlaufe vieler Jahre festgehalten, geschlagen, in Handschellen gelegt wurde. Dies ist der äußere Rahmen und ist schon lesenswert genug, wird doch die zerstörerische Wirkung der Institution Gefängnis deutlich. Ebenso faszinierend und ungleich mehr von Bedeutung ist jedoch die innere Entwicklung Xosé Tarríos zu verfolgen. Er, der mit 19 Jahren eine anderthalbjährige Strafe antreten soll und am Ende ein Strafmaß von 71 (!) Jahren vor sich hat, als er 2004 ins Koma fällt und Anfang 2005 stirbt.

Geprägt von vielen Jahren in Heimen und Erziehungsanstalten, ist er gewohnt, sich gegen die Umstände, auf die er im Gefängnis trifft, aufzulehnen — und landet unversehens in Isolationshaft. Das Buch erzählt, orientiert an den einzelnen Gefängnissen, in die er verlegt wird, die Entwicklung hin zu einem anarchistischen Menschen, voller Wut ebenso, wie voller Liebe. Es erzählt von Solidarität unter den Inhaftierten und ihren Aufständen — aber auch von der Enttäuschung durch Verrat.

Eingerahmt wird das Buch von einem Vorwort Gabriel Pombo da Silvas und einem Anhang mit einem Interview, das im Juni 2005 mit den Müttern von Xosé und Gabriel geführt wurde. Gabriel, selbst spanischer Anarchist, verbüßte eine lange Haftstrafe in Aachen. Er lässt sich nicht mundtot machen und setzt den Kampf für eine Gesellschaft ohne Knäste ebenso fort, wie die Mutter Xosés. Gerade der Umstand, dass am Ende die Mütter der beiden Gefangenen zu Wort kommen (wo hört man denn sonst, dass sich Mütter von Inhaftierten öffentlich äußern?) trägt zum Gelingen dieses empfehlenswerten Buchs bei.

408 Seiten
Eigenverlag
ohne ISBN


Ich trug den gelben Stern
Inge Deutschkron

Viele Angehörige der älteren Generation erinnern sich noch daran, wie die Nazis ihre Kindheit mißbrauchten, ohna daß sie dies damals erfassen konnten. Wie aber erlitten die Söhne und Töchter jüdischer Eltern diese Zeit? Inge Deutschkron, in Berlin aufgewachsen, mußte erfahren, was es heißt, ein jüdisches Kind zu sein. Zunächst bedeutete dies nur, nicht mit Gleichaltrigen spielen zu können, vom Schwimmen- und Sportunterricht ausgeschlossen zu sein, mehrmals die Schule zu wechseln und in andere Stadtviertel umzuziehen zu müssen. Allmächlich kommt die Angst vor Verhafutngen zuinzu, und bald wird der Familie klar, daß es sich um eine planmäßige Diskriminierung handelt, an deren Ende die totale Menschenverachtung und Mord stehen.

Der Ausbruch des Krieges verhindert die Emigration. Ab 1941 mußten die Juden den gelben Stern tragen, die ersten Deportationen unter den 66 000 Berlinern Juden setzten ein. Die verzweifelte Angst vor dem offenbar unausweichlichen Schicksal wurde übermächtig. Für Inge Deutschkron und ihre Mutter begann nun ein Leben in Illegalität, unter fremder Identität, lebensbedrohend für sie selbst wie für ihre Freunde, die ihnen in menschlicher Solidarität Beistand gewährten.

Nach Jahren der quälenden Angst vor der Entdeckung haben sie schließlich den bürokratisierten Sadismus des nationalsozialistischen Systems überlebt: zwei unter 1423 Juden in Berlin, die dem tödlichen Automatismus entronnen sind.

216 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3423300001


»Ja, ich kämpfte«
Von ›Luftmenschen‹, Kindern des Schtetls und der Revolution.
Biographien radikaler Jüdinnen und Juden

Werner Portmann, Siegbert Wolf

In der jüdischen ArbeiterInnenbewegung engagierten sich viele junge AnarchistInnen. Sozialisiert in einem religiösen Elternhaus, gehörten sie schon bald zu den EnthusiastInnen einer revolutionären Utopie, die sich die Aufhebung von Herrschaft und gesellschaftlichen Zwängen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Zugleich repräsentierten sie einen sozialrevolutionären Radikalismus, der mit seiner Verheißung einer Befreiung aller Juden und Jüdinnen wie auch der gesamten Menschheit durchaus Parallelen im jüdischen Glauben aufwies.

314 Seiten
Verlag: Unrast
ISBN: 978-3897714526


Jupp Angenfort. Sprung in die Freiheit
Die Geschichten des Josef A.

Hannes Stütz

Josef oder „Jupp“ Angenfort geriet als 19jähriger Wehrmachtssoldat in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Die Erfahrung von Faschismus und Krieg prägte ihn tief und so schloss er sich nach seiner Rückkehr der KPD und der Freien Deutschen Jugend an, um gegen die von Adenauer betriebene Remilitarisierung zu kämpfen. Unter Bruch seiner Immunität als NRW-Landtagsabgeordneter wurde er 1953 verhaftet, wegen Hochverrats angeklagt und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Kurz nach seiner Entlassung wegen Verstoßes gegen das KPD-Verbot erneut verhaftet, gelang ihm bei einem Gefangenentransport die Flucht. Er ging in die DDR, kam nach Gründung der DKP 1968 zurück nach Düsseldorf, wurde wenig später wieder festgenommen, 1969 aber aus dem Zuchthaus freigelassen. Damit enden „Die Geschichten des Josef A.“. Lebendig und locker erzählt, sind sie gut geeignet, an den Gründungsmythen der Bundesrepublik und nicht zuletzt auch an dem tabuisierten Thema der politischen Gefangenen unter Adenauer zu kratzen.

232 Seiten
Verlag: PapyRossa
ISBN: 978-3894384517


Knastreport
Das Leben der Weggesperrten

Kai Schlieter

Kinderschänder und Vergewaltiger prägen die Vorstellung vom Verbrecher. Manche werden zu Medienstars, doch nach der Verurteilung verschwinden auch sie hinter den Mauern. Gefängnisse zählen zu den schattigsten Regionen der Gesellschaft. Wo keine Öffentlichkeit ist, herrscht auch im Rechtsstaat Willkür. Kai Schlieter sprach mit Mördern, Räubern und anderen Verbrechern, besuchte prominente Gerichtspsychiater, Forensiker und Kriminologen. Er zeigt, was sich in der Welt hinter Gittern wirklich abspielt, und kommt letztlich zu dem Schluss: Der jetzige Vollzug schadet unserer Gesellschaft mehr, als dass er ihr nutzt.

256 Seiten
Verlag: Westend
ISBN: 978-3938060674


LTI
Notizbuch eines Philologen

Victor Klemperer

„LTI“ – Lingua Tertii Imperii – nannte der Philologe Victor Klemperer (1881 -1960) sein schwierigstes Buch. Es hat den Autor über die Grenzen Europas hinaus bekannt gemacht. Nicht nur, weil es die erste profunde Kritik der „Sprache des Dritten Reiches“ ist, nicht nur, weil es Klemperers glückliche Gabe, schwierige Gegenstände interessant, ja spannend darzustellen, offenbart.

363 Seiten
Verlag: Reclam Leipzig
ISBN: 978-3379001250


Mein Leben nach dem Überleben
Inge Deutschkron

Inge Deutschkron schildert die mühsamen Anfänge in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ihre Tätigkeit als Sekretärin in der Zentralverwaltung für Volksbildung in (Ost-)Berlin, ihre schwierigen Jahre in England, wo sie Sekretärin des Generalsekretärs der sozialistischen Internationale war. 1955 kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde 1958 Deutschlandkorrespondentin für die israelische Tageszeitung ›Maariv‹ in Bonn.

Anfang der siebziger Jahre übersiedelte sie nach Israel. Seither ist sie auch immer wieder in Deutschland und beobachtet als aufmerksame und unabhängige Berichterstatterin das politische und soziale Leben in beiden Ländern. Ihre Aufzeichnungen geben Einblicke in ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte, die in ihren persönlichen Erlebnissen und durch ihre unbestechliche und eigenwillige Sichtweise anschaulich und begreifbar wird.

384 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3423307895


Nach der Shoa geboren
Jüdische Frauen in Deutschland

Jessica Jacoby, Claudia Schoppmann, Wendy Zena-Henry

Über dreissig meist nach dem Krieg geborene Frauen jüdischer Herkunft aus zwanzig verschiedenen Ländern über das fast bei allen schwierige Verhältnis zur (Familien-)Geschichte unter dem Zeichen des Holocaust, zu Religion und Tradition, zu Deutschland und den Deutschen. Und über das Gefühl der Fremdheit, der Bedrohung und ‚Unbehaustheit’sowie den Kampf um eine eigene, individuelle Identität in der Gegenwart

239 Seiten
Verlag: Espresso
ISBN: 978-3885205296


Nie war ich furchtloser
Autobiographie

Inge Viett

Inge Viett, der in den 70er Jahren das Prädikat »Top-Terroristin mit besonders grausiger Handschrift« verliehen wurde, spricht ohne Sentimentalitäten über ihr Leben: die enge, muffige Kindheit bei Pflegeeltern in der norddeutschen Provinz, ihre Zeit in der Berliner Subkultur und den Beginn des politischen Engagements. Zweimal bricht sie aus dem Gefängnis aus, wird Mitglied der »Bewegung 2. Juni«.

317 Seiten
Verlag: Edition Nautilis
ISBN: 978-3894014605


»Sag nie, du gehst den letzten Weg«
Frauen im bewaffneten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung

Ingrid Strobl

350 Seiten
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596247523


Tondar
Geschichte und Widerstand politischer Gefangener

Ralf Streck

»Tondar« ist iranisch und bedeutet »Donner«. Im Iranischen ist es ein geflügeltes Wort und steht für Widerstand und Unruhe. Widerstand und Unruhe gegen die alltägliche Repression, gegen ein Gefängnissystem, das darauf abzielt, die Würde eines jeden politischen Gefangenen zu vernichten und ihm seine Persönlichkeit zu nehmen.
Es werden die Geschichte, der Widerstand und die aktuelle Situation von Gefangenen in der Türkei, in Kurdistan, im Baskenland und im Iran beschrieben. Die AutorInnen dieses Buches kommen alle aus sehr unterschiedlichen Ländern und Bewegungen. Einige von ihnen saßen bereits im Knast, teilweise sogar in Isolationshaft. Schnell wird deutlich, dass es oft die gleichen Methoden sind, mit denen Widerstand gegen Unterdrückung und der Kampf für eine bessere Welt konfrontiert sind.

378 Seiten
Verlag: Pahl-Rugenstein
ISBN: 978-3891443484


Unsa Haus und andere Geschichten
Ben Böttger, Rita Macedo u.a.

Fredi, Liam, Dani, Alex und Fatma entdecken an einem Herbstnachmittag ein verlassenes Haus und fangen sofort an, Zukunftspläne zu schmieden. Was wollen die Kinder mit dem Haus machen? Wozu braucht Alex einen LKW? Warum will Liam ein Labor haben? Und welche Ideen und Träume haben Fredi, Fatma und Dani? In sechs illustrierten Geschichten lernen wir die Freundinnen und Freunde kennen. Wir sind dabei, wenn sie ein verlassenes Haus entdecken, erfahren etwas über Fredis Träume und Alpträume und wie Liam einen Sonntag mit seinem Vater verbringt. Wir erleben, wie Dani unerwartete Geschenke bekommt, wie Alex bei ihrer Schwester einzieht und wie die Kinder bei Fatma eine Party vorbereiten. Dies sind Geschichten über den Alltag unserer fünf Freund_innen zu Hause und draußen, ihre Abenteuer und Phantasien, aber vor allem über ihre Freundschaft! „Unsa Haus“ richtet sich vor allem an Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren. Es eignet sich nicht nur zum gemeinsamen Lesen und Vorlesen, sondern will auch Fragen aufwerfen, Erklärungen erforderlich machen und Diskussionen anregen – mit und unter Kindern. Die Geschichten sind in einer realistischen Großstadtumgebung angesiedelt und mit anspruchsvollen aber kindgerechten Collagen aus Fotos und Zeichnungen illustriert. Mit „Unsa Haus“ zeigen die Autor_innen ein breites Spektrum von Familienkonstellationen, Lebenssituationen und -entwürfen, Identitäten, Hintergründen und Orientierungen als gleichwertige Normalität. Dieses Buch will Kinder ermutigen, Umgebungen zu finden, in denen sie so sein können, wie sie sind, anstatt sich auf eine Weise anzupassen, die ihrem Selbst widerspricht. Darum nimmt es utopisch vorweg, was es anstrebt: die selbstverständliche Wertschätzung unterschiedlicher Lebensentwürfe, Hintergründe und Identitäten.

56 Seiten
Verlag: NoNo
ISBN: 978-3942471008


Unsere Straße
Eine Chronik. Geschrieben im Herzen des faschistischen Deutschlands

Jan Petersen

»Unsere Straße« gilt als der einzige in Hitlerdeutschland geschriebene, anti-nationalsozialistische Roman, der noch während des Dritten Reiches veröffentlicht wurde. Das Buch gilt als Tatsachenbericht, allerdings wurden Namen und persönliche Daten der handelnden Personen verändert, um diese bei einer Entdeckung des Manuskriptes zu schützen. Die Handlung spielt hauptsächlich in der Arbeitergegend der Wallstraße (heute Zillestraße) in Berlin-Charlottenburg und setzt 1933, wenige Tage vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein und endet Mitte 1934. Das Buch schildert die politischen Ereignisse der Zeit aus der Sicht eines im Untergrund aktiven antifaschistischen Widerstandskämpfers. Petersen schrieb das Buch unter Lebensgefahr im Geheimen und schmuggelte es, eingebacken in einen Kuchen, über die Grenze nach Prag, wo es 1936 erstmals erschien. Das Buch enthält eine Liste der in der Wallstraße ums Leben gekommenen Aktivist_innen.

328 Seiten
Verlag: Pahl-Rugenstein
ISBN: 978-3760907529


Wir sind ein Bild der Zukunft – auf der Straße schreiben wir Geschichte
Texte aus der griechischen Revolte

A.G. Schwarz, Tasos Sagris & Void Network

Im Winter 2008 durchbrachen Unruhen und Aufruhr den Alltag in Griechenland. Es war mehr als ein Protest gegen Staat und Kapital. Die Intensität der Krawalle war außergewöhnlich genauso wie die Solidarität und Organisation der Revoltierenden. Was brachte erst Athen und dann das ganze Land zum Explodieren? Antworten auf diese Frage sucht das Buch »Wir sind ein Bild der Zukunft – auf der Straße schreiben wir Geschichte«.

»Genau wie wir über keine offizielle Geschichte der Pariser Kommune oder der Spanischen Revolution verfügen, ist dies hier nicht die Geschichte des griechischen Aufstands. Durch Fragmente, Gerüchte, Mythen und Erzählungen findet diese soziale Revolte ihren direkten Weg in die Herzen und Köpfe der Menschen der Zukunft.« Das Buch schildert die Erschießung eines Athener Jugendlichen durch einen Polizisten im Dezember 2008 – und wie aus der Wut darüber Aufruhr wurde. Es enthält Interviews mit ZeugInnen und Teilnehmer- Innen der Revolte und Texte, die im Netzwerk der Protestierenden zirkulierten. Zudem thematisiert es die Mythen der DezemberRevolte, die unter vielen AktivistInnen außerhalb Griechenlands kursieren.

366 Seiten
Verlag: Laika Verlag
ISBN: 978-3942281829

in englischer Sprache

This Bridge Called My Back
Writings By Radical Women Of Color

Cherríe Moraga & Gloria Anzaldúa

This Bridge Called My Back. Writings by Radical Women of Color is a feminist anthology and centers the experiences of women of color, offering a serious challenge to white feminists who made claims to solidarity based on sisterhood. Writings in the anthology, along with works by other prominent feminists of color, call for a greater prominence within feminism for race-related subjectivities, and ultimately laid the foundation for third wave feminism.

261 Seiten
Verlag: Kitchen Table – Women of Color Press
ISBN: 978-0913175033