Archiv der Kategorie 'transgeniale f_antifa'

Menstruation als Grundlage für ein feministisches Selbstverständnis?

Ein Diskussionsbeitrag über Menstruation
in feministischen Kontexten

Seit längerem beschäftigen sich feministische Akteur_innen mit Menstruation und ihrer gesellschaftlichen Stigmatisierung. Menstruation gilt in dieser Gesellschaft – und nicht nur hier – als »unrein« und »schmutzig«, als etwas, das »sauber und diskret« ablaufen soll und worüber am besten – wenn überhaupt – nur unter guten Freund_innen geredet wird. Es gibt viele gute Gründe, diese Stigmatisierung und Unsichtbarmachung aus feministischer Perspektive zu kritisieren. Das wird häufig durch Fotoprojekte mit Menstruationsblut oder andere kunstvolle Aktionen getan, oder einfach dadurch, dass das Thema auf die feministische Agenda gesetzt und öffentlich diskutiert wird. Dabei spielt Self-Empowerment eine wichtige Rolle. Sich selbst, den eigenen Körper und die Tatsache, dass dieser Körper menstruiert, nicht als etwas Schlechtes zu betrachten, ist eine gute und wichtige Sache.

Nun gibt es aber nicht nur gute Gründe für dieses Self-Empowerment, sondern auch einige Aspekte, die letzten Endes selbst zu einer Stigmatisierung von bestimmten Gruppen beitragen. Wir finden es toll, wenn Menschen sich selbstbewusst und positiv auf ihre menstruierenden Körper beziehen können. Dass dabei in den seltensten Fällen daran gedacht wird, dass damit neue Ausschlüsse produziert werden, lässt uns am emanzipatorischen Gehalt dieser Praxis zweifeln.

Zum einen gibt es etliche Frauen (und hier meinen wir explizit Cisfrauen und Transfrauen) die ihre Menstruation nicht feiern können, weil sie aus den verschiedensten Gründen nicht menstruieren. Und es gibt viele Menschen, die sie nicht zelebrieren wollen, weil für sie der menstruierende Körper ein Grund für Gender Dysphoria ist, unter anderem Transmänner und nicht-binäre Menschen.

Viele Menschen haben auch durch die Menstruation starke chronische Schmerzen oder andere damit zusammenhängende Erkrankungen. In feministischen Räumen mit Menstruation konfrontiert zu sein, ist ein potentieller Auslöser (Trigger) für traumatische Erinnerungen, die Menschen mit der Menstruation verbinden.

Mit dem Thema Menstruation wird zum Teil sehr offensiv umgegangen, was aufgrund der gesellschaftlichen Stigmatisierung durchaus verständlich ist. Kein Verständnis haben wir jedoch dafür, dass kein einziger Gedanke an Menschen verschwendet zu werden scheint, für die Menstruation vor allem Schmerz und Leid bedeutet.

Das Abfeiern der Menstruation ist nicht nur eine Form des Self-Empowerment, sondern trägt auch zur Bildung eines kollektiven feministischen Selbstverständnisses bei. Dies geht häufig – zumindest unterschwellig – mit der transmisogynen Vorstellung einher, eine »echte« Frau müsse eine (menstruierende) Vulva haben. Transfrauen und andere transweibliche Menschen sind durch die Tatsache, dass sie nicht menstruieren, von vornherein von diesem feministischen Kollektiv ausgeschlossen.

Uns geht es nicht darum, die feministischen Debatten um Menstruation zu beenden oder Menschen vorzuwerfen, dass sie sich selbstbewusst und positiv auf ihre menstruierenden Körper beziehen. Wir wollen vielmehr die Diskussion erweitern und daran erinnern, wer bei den Debatten um Menstruation nicht mitgedacht wird. Wir wünschen uns – nicht nur bei diesem Thema – eine größere Sensibilität dafür, wie Self-Empowerment selbst zu neuen Ausschlüssen führen kann. Ein emanzipatorischer Feminismus, der diesen Namen verdient, muss sich darüber Gedanken machen. Denn aus den bis heute andauernden Auseinandersetzungen um Rassismus oder Klassismus in feministischen Bewegungen ziehen wir den Schluss: Ein Feminismus, der die Stimmen von marginalisierten Gruppen ignoriert, wird keine Befreiung bringen.

»Lieber Cis-Feminismus«

Dieser Text wurde uns zugeschickt. Da wir dem Inhalt zustimmen, veröffentlichen wir ihn gerne.

»Lieber Cis-Feminismus«

Ein Abschied bis auf Weiteres

Mit dem Begriff »cis« (Aussprache: ziss) oder »cisgeschlechtlich« werden Menschen bezeichnet, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der Begriff ist das Gegenstück zu »trans« oder »transgeschlechtlich«.

Lieber Cis-Feminismus,

wir kennen uns jetzt schon sehr lange. Als ich Dich das erste Mal getroffen habe, war ich ziemlich beeindruckt von Dir, denn Du hast auf mich so stark und mutig gewirkt. Wir haben uns ausgetauscht, viel gelacht, oft auch geweint und ich habe wirklich viel mitgenommen aus den Begegnungen mit Dir. Du hast mir ganz neue Seiten des Lebens gezeigt und dafür werde ich Dir immer dankbar sein.

Aber sicher hast Du selbst gemerkt, dass unser Verhältnis mit der Zeit immer angespannter wurde. Früher hast Du mir ganz viele Dinge erklärt und beigebracht und ich habe wirklich wichtige Dinge von Dir gelernt. Ohne Dich wäre ich sicherlich nicht die Person, die ich jetzt bin. Aber heute bin ich nicht mehr das naive Mädchen, das noch nicht erkannt hat, dass es eine Frau ist. Heute bin ich eine Frau, der immer wieder eingeredet wird, ihre Weiblichkeit sei nicht »echt«. Eine Frau, der vermittelt wird, leider die »falschen« Genitalien zu haben, um eine »richtige« feministische Frau zu sein. Eine Frau, die sich vorwerfen lassen muss, »männliche Privilegien« zu besitzen, weil sie bei der Geburt geschlechtlich falsch eingeordnet wurde. Eine Frau, die von vielen nicht als Frau anerkannt wird.

Darüber habe ich auch schon oft mit Dir geredet, oder besser gesagt, versucht mit Dir zu reden. Denn wirklich zugehört hast Du mir nie. Du wolltest nicht wahrhaben, dass Du selbst dazu beiträgst, dass ich meine Weiblichkeit infrage stelle. Es interessiert Dich auch nicht, dass Du heute ganz viel von mir lernen könntest. Du willst mir einfach nicht zuhören, egal wie oft und wie laut ich mich zu Wort melde. Und das tut verdammt weh.

Denn als ich wichtige Dinge noch nicht begriffen hatte, habe ich an Deinen Lippen gehangen und alles aufgesogen, was Du gesagt hast. Und jetzt, wo ich Dir für Deine Hilfe etwas zurückgeben kann und will und Du etwas von mir lernen könntest, ignorierst Du mich einfach.

Bitte versteh mich nicht falsch. Ich schätze Dich für die vielen wichtigen Dinge, die Du getan hast und immer noch tust. Aber dass Du mir und anderen marginalisierten Personen nicht zuhörst und unsere Kritik und unsere Anregungen ignorierst, trägt nicht gerade dazu bei, dass ich auch in Zukunft ein Teil von feministischen Bewegungen sein möchte. Du stößt mich von Dir weg ohne es wirklich zu merken. Du verhältst Dich mir gegenüber immer wieder gewaltvoll und wenn ich versuche Dir zu erklären, was mich so verletzt, rechtfertigst Du Dich, anstatt mir zuzuhören und über meine Worte nachzudenken. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Du Dir Mühe gibst und Dich wirklich ändern willst. Aber jedes Mal, wenn Du mir erneut gezeigt hast, dass meine Perspektive Dich gar nicht wirklich interessiert, ist ein kleines Stück meiner Hoffnung, dass Du mich ernst nimmst und Dich veränderst, verloren gegangen.

Diese Hoffnung ist inzwischen so klein geworden, dass sie nicht mehr ausreicht, um mich ständig Deiner Gewalt auszusetzen. Und so lange Du nicht beweist, dass es Dir ernst damit ist, Dich zu verändern, ist es besser für mich, wenn wir uns erstmal aus dem Weg gehen. Denn wir können keinen gemeinsamen Kampf führen, wenn ich gleichzeitig gegen Dich kämpfen muss. Ich hoffe Du wirst das irgendwann verstehen.

Eine wütende Transfrau
September 2015

QXE-Tresen

Der Queer Edge Tresen findet bis auf weiteres nicht statt!

Until further notice the Queer Edge Bar won‘t take place!

Nachtrag zum Vortrag in Kiel

Am 20. April 2015 wurden wir von der Gruppe ich-krieg-zustaende eingeladen, unseren Vortrag »Vom Ghetto in die Wälder. Jüdischer Widerstand gegen Nationalsozialismus und deutsche Besatzung« in Kiel zu halten. Bei der anschließenden Diskussion kam die Frage nach Widerstand von Sinti_ze und Rom_nja auf. Dazu möchten wir einige Quellen empfehlen.

Hinweis: In den verlinkten Texten wird rassistische Sprache gegen Sinti_ze und Rom_nja (Z-Wort) verwendet/zitiert.

Zudem stellen wir hier unsere Empfehlungen zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema des Vortrages zur Verfügung:

Bücher

  • Moshe Beirach: Aus dem Ghetto in die Wälder. Bericht eines jüdischen Partisanen 1939–1945
  • Thomas »Toivi« Blatt: Sobibór – der vergessene Aufstand
  • Chasia Bornstein-Beilicka: Mein Weg als Widerstandskämpferin
  • Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern
  • Marek Edelman: Das Ghetto kämpft
  • Chaika Grossman: Die Untergrundarmee. Der jüdische Widerstand in Białystok. Ein autobiographischer Bericht
  • Rachel Kostanian-Danzig: Spiritual Resistance in the Vilna Ghetto
  • Ingrid Strobl: Die Angst kam erst danach. Jüdische Frauen im Widerstand 1939–1945
  • Ingrid Strobl: Sag nie, du gehst den letzten Weg. Frauen im bewaffneten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung
  • Jim G. Tobias & Peter Zinke: Nakam. Jüdische Rache an NS-Tätern

Filme

  • Shoah (1985) von Claude Lanzmann
  • Partisans of Vilna (1986) von Joshua Waletzky und Aviva Kempner
  • Mir zeynen do (1992) von Ingrid Strobl
  • Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr (2001) von Claude Lanzmann
  • Killing Nazis (2013) von Andreas Kuba

Internet-Links

MORGEN (15. APRIL) LEIDER KEIN QXE-TRESEN!

Leider müssen wir den morgigen QXE-Tresen absagen. Geplant war die Vorführung des Films „Aghet – Ein Völkermord“. Der Film kann bei Youtube angesehen werden: https://youtu.be/UqGe6_BwM2g

Unfortunately we have to cancel the QXE-Tresen tomorrow. We wanted to show the movie „Aghet – A Genocide“ . You can watch the film on YouTube: https://youtu.be/ybSP04ajCDg

Vortragsreihe: Vom Ghetto in die Wälder

Dieses Jahr jährt sich die Befreiung vom Nationalsozialismus zum 70. Mal. Zu diesem Anlass halten wir unseren Vortrag Vom Ghetto in die Wälder in mehreren Städten:

Montag, 20. April, 20 Uhr
Universität Kiel
Westring 400, Raum R02.05
weitere Infos: ichkriegzustaende.herokuapp.com

Donnerstag, 23. April, 19 Uhr
Freiraum
Eisenbahnstraße 69, Eberswalde

Mittwoch, 6. Mai
Leipzig
weitere Infos: Prisma Leipzig (Facebook)

Donnerstag, 7. Mai, 19 Uhr
Zentralcafé im Künstlerhaus (K4)
Königstraße 93, Nürnberg
weitere Infos: Linksjugend [’solid] Nürnberg/Fürth

Mittwoch, 27. Mai
UJZ Korn
Kornstraße 28, Hannover

Ankündigungstext:

Vom Ghetto in die Wälder
Jüdischer Widerstand gegen Nationalsozialismus und deutsche Besatzung

Bei dem Vortrag wollen wir einen Überblick vermitteln über jüdischen Widerstand gegen Nationalsozialismus und deutsche Besatzung. Dabei wird es vor allem um Orte gehen, die im heutigen Polen und Litauen liegen. Wir berichten über die Kämpfe in den Ghettos von Białystok und Warschau und gehen dabei auch auf die Rolle der Frauen ein.

Außerdem wird es um »spirituellen Widerstand« im Ghetto Vilnius und den erfolgreichen Aufstand im Vernichtungslager Sobibór gehen. Zudem erzählen wir etwas über jüdische Partisan_innen und die »Jewish Brigade«. Anschließend verlieren wir noch einige Worte zu jüdischer Rache an Nazis nach 1945.

Wir werden den Vortrag mit kurzen Filmausschnitten und Partisan_innen-Liedern ergänzen. Es wird am Ende Raum für den Austausch unter den Teilnehmer_innen geben. Anschließend ist noch Zeit für Diskussion.

Dauer: circa 90 Minuten Vortrag + Diskussion
Sprache: Deutsche Lautsprache
Übersetzung: Flüster-Übersetzung Englisch (auf Anfrage)

QXE-Tresen im April

transgeniale f_antifa präsentiert:
Queer Edge Tresen

vegan | rauchfrei | ohne Alkohol und andere Drogen | offen für alle Geschlechter | mit kalten und warmen Getränken

Film: „Aghet – Ein Völkermord“

Dieses Jahr jährt sich der Genozid an den Armenier_innen durch das Osmanische Reich zum 100. Mal. Zwischen 1915 und 1918 wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen ermordet.

Mit dem Film „Aghet – Ein Völkermord“ möchten wir auf das Thema aufmerksam machen. Der Film (Deutsche Lautsprache ohne Untertitel) behandelt neben den historischen Fakten auch den aktuellen Umgang mit dem Genozid, der vor allem in der Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches von Leugnung und Verdrängung bestimmt ist.

Weitere Informationen zum Film gibt unter aghet1915.wordpress.com

Mittwoch, 15. April 2015
(jeden 3. Mittwoch im Monat)
Beginn: 19 Uhr

faq Infoladen
Jonasstraße 40 | 12053 Berlin

Solidarität mit den Bewohner_innen der Schule in der Ohlauerstraße

Die Bewohner_innen und Aktivist_innen der Gerhard-Hauptmann-Schule in der Ohlauerstraße in Berlin sind erneut von Räumung durch den Bezirk Kreuzberg bedroht. Die Frist des Bezirksamts läuft am 19.03. aus. Alle Bewohner_innen sollen bis dahin freiwillig aus dem Gebäude ausziehen, ansonsten wird geräumt.

Wir erklären uns solidarisch mit den Bewohner_innen und Aktivist_innen.

You can‘t evict a movement!

Aktuelle Infos: oplatz.net/category/school/

Demonstration „My Right Is Your Right!“
21.03., 13 Uhr Spreewaldplatz Kreuzberg

Unter dem Motto „My Right Is Your Right!“ wird am Samstag, 21.03., am Globalen Tag gegen Rassismus zur Demonstration aufgerufen. Für alle, die ihre Stimmen erheben gegen Rassismus, Antiromaismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und gegen die unmenschliche Asylpolitik in Deutschland und Europa.

Weitere Infos: myrightisyourright.de

QXE-Tresen im März

DER TRESEN FÄLLT DIESES MAL LEIDER AUS!
UNFORTUNATELY, THE TRESEN WILL NOT TAKE PLACE THIS TIME!

Aufruf zum Inter- und Trans-Block auf der Demo zum Frauenkampftag 2015

Am 8. März 2015 findet in Berlin erneut eine feministische Demonstration zum Frauenkampftag statt. Das breit aufgestellte Bündnis hatte im letzten Jahr versucht, Trans- und Interpersonen in die Demonstration einzubeziehen. Es gelang dem Bündnis jedoch nicht, die spezifischen Diskriminierungs-Erfahrungen von intergeschlechtlichen Menschen und Transpersonen, insbesondere von Transfrauen, zu berücksichtigen. Lediglich durch den Inter- und Trans-Block sowie durch die Rede der transgenialen f_antifa, gelang es, diesen Themen Präsenz zu verschaffen.

Leider hat das Bündnis es versäumt, die im letzten Jahr geäußerte Kritik aufzugreifen und Inter- und Trans-Perspektiven zu berücksichtigen. Im Aufruf zur diesjährigen Demonstration heißt es nur: »Frauen*, Trans*- und Inter*-Personen werden abgewertet und oft unter Gewaltanwendung diskriminiert.« Es wird sich nicht geäußert zu den gewaltvollen und häufig traumatisierenden Genital-Operationen, die – auch in Deutschland – täglich an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt werden, um sie einem der beiden offiziell anerkannten Geschlechter zuordnen zu können. Kein Wort wird verloren über die unzähligen Morde, die weltweit jedes Jahr aus Transmisogynie an Transfrauen verübt werden. Es wird nicht darüber gesprochen, dass es in dieser Gesellschaft nahezu unmöglich ist, sich jenseits der Kategorien ›Frau‹ und ›Mann‹ zu verorten. Eine feministische Bewegung, welche diese Aspekte von geschlechtlicher Unterdrückung nicht mitdenkt, wird patriarchale Herrschaftsverhältnisse stabilisieren anstatt sie abzuschaffen.

Zudem sind wir wütend darüber, dass das Bündnis es nicht schafft auf cis-sexistische Sprache zu verzichten, wenn über die körperliche Selbstbestimmung im Zusammenhang mit Schwangerschafts-Abbrüchen gesprochen wird. Im Aufruf wird das »Recht auf Schwangerschaftsabbruch« als »ein fundamentales Recht der Selbstbestimmung von Frauen*« bezeichnet. Dabei werden mehrere Dinge übersehen. Zum einen können nicht alle Frauen schwanger werden, zum Beispiel Transfrauen. Zudem können auch Menschen schwanger werden, die keine Frauen sind, beispielsweise Transmänner, nicht-binäre intergeschlechtliche Menschen und andere Personen, die sich keinem der beiden gesellschaftlich anerkannten Geschlechter zuordnen können oder wollen. Menschen mit unterschiedlichen Identitäten und Selbstdefinitionen können somit schwanger werden und brauchen ungehinderten Zugang zu Schwangerschafts-Abbrüchen.

Außerdem fragen wir uns warum im Aufruf nicht differenzierter auf weitere Unterdrückungsformen eingegangen wird. Warum werden zum Beispiel Sexarbeiter_innen und ihre Kämpfe nicht benannt? Die Kriminalisierung von Sexarbeit, wie sie letztes Jahr von einigen Teilnehmer_innen der Demonstration gefordert wurde, ist anti-feministisch, da sie Sexarbeiter_innen das Recht auf körperliche Selbstbestimmung abspricht. Im Aufruf zum diesjährigen Sexarbeiter_innen-Block wird zudem klargestellt: eine Kriminalisierung »richtet sich in erster Linie gegen marginalisierte Sexarbeiter_Innen wie zum Beispiel die, die es nicht schaffen einen ausreichenden legalen Status zu erhalten. Mehr Kontrolle bringt mehr Stigma!« Anstatt sich im Aufruf zur diesjährigen Demo mit den Forderungen der Sexarbeiter_innen zu solidarisieren, positioniert sich das Bündnis lieber mit einem lauwarmen Statement gegen »jedwede Gewalt auf der Demo« im Vorjahr. Dies ist eine Anspielung auf den Versuch des Sexarbeiter_innen-Blocks, die Befürworter_innen einer Kriminalisierung von Sexarbeit aus der Demo zu drängen. Wir solidarisieren uns hiermit ausdrücklich mit dem Sexarbeiter_innen-Block und den Forderungen der Sexarbeiter_innen!

Wir fragen uns auch, warum im Aufruf von ›Migrantinnen‹ gesprochen wird und nicht von Menschen, die von Rassismus betroffen sind? Hier übernimmt das Bündnis die weiss-deutsche Annahme, ›migrantisch‹ sei gleichzusetzen mit ›nicht-weiss‹. Indem alle Menschen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen und von Rassismus betroffen sind als ›migrantisch‹ bezeichnet werden, wird ihnen der Status ›der Anderen‹ zugeschrieben und somit rassistisches Denken übernommen. Zudem wird die Existenz von Schwarzen Feminist_innen und Feminist_innen of Color sowie ihre Geschichte von Widerstand gegen Rassismus und Patriarchat nicht anerkannt. Es waren und sind diese Kämpfe, die unsere gesellschaftlichen Verhältnisse radikal verändert haben und sie weiter verändern werden. Wir können außerdem nicht verstehen, warum die Erfahrungen von geflüchteten Frauen völlig ignoriert werden. Letztes Jahr forderte die Gruppe Women in Exile auf der Demo: »Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!« Diese Forderung wurde im diesjährigen Aufruf nicht aufgegriffen.

Wir kämpfen für einen intersektionalen Feminismus, also für einen Feminismus, der stets versucht, alle Formen von Diskriminierung mitzudenken. Dabei müssen immer auch die Überschneidungen von verschiedenen Diskriminierungs-Formen beachtet werden. Feminismus ist nicht nur ein Kampf von weissen, akademischen, dünnen, able-bodied, nicht-jüdischen, heterosexuellen Cisfrauen. Für uns ist der Frauenkampftag ein Tag, an dem wir nicht nur gegen das Patriarchat auf die Straße gehen, sondern gemeinsam für ein selbstbestimmtes Leben ohne jede Form von Diskriminierung demonstrieren. Wenn eine feministische Bewegung sich nur auf Sexismus und patriarchale Unterdrückung konzentriert, wird sie die gleichen Fehler begehen, wie viele feministische Aktivist_innen vor uns und lediglich eine Bewegung von Privilegierten für Privilegierte sein. Mit dem Inter- und Trans-Block wollen wir also nicht nur den Cis-Sexismus und die Transfeindlichkeit von feministischen Akteur_innen wie beispielsweise dem Frauenkampftags-Bündnis kritisieren, sondern klarstellen, dass Feminismus intersektional sein muss, um Herrschafts-Verhältnisse wirksam bekämpfen zu können.

Kommt zum Inter- und Trans-Block
auf der Demo zum Frauenkampftag

8. März 2015, 13 Uhr
Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Treffpunkt: Rosa-Luxemburg-Straße Ecke Hirtenstraße
vor dem Kino Babylon
(gleicher Treffpunkt wie für den Sexarbeiter_innen-Block)