JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Wir haben uns entschlossen keine Sternchen mehr hinter dem Wort »trans« zu verwenden. Auch die Sternchen hinter »Männer« und »Frauen« haben wir gestrichen. Früher dachten wir, dass Sternchen unsere Sprache reflektierter und inklusiver machen. Inzwischen haben wir mehrere Schwächen des Sternchens bemerkt, weswegen wir es nicht mehr verwenden möchten.

Nicht-binäre Transpersonen sollten durch das Sternchen hinter »trans« miteinbezogen werden. Da der Begriff »trans« auch ohne Sternchen alle Personen umfasst, denen bei der Geburt ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde, ist der Begriff auch ohne Sternchen für nicht-binäre Transpersonen zutreffend. Die Verwendung des Sternchens impliziert dadurch nur, dass manche Transmenschen nicht als ›richtig‹ trans oder nicht als trans ›genug‹ verstanden werden.

Mit dem Sternchen hinter Geschlechterkategorien wollten wir diese als soziale Konstrukte markieren. Das macht in unseren Augen wenig Sinn, da andere soziale Konstrukte, wie beispielsweise »Staat«, etc., nie mit einem Sternchen versehen werden.

Das Sternchen hinter dem Wort »Frauen« sollte zeigen, dass Transfrauen miteinbezogen werden. Dadurch wird allerdings impliziert, dass sie eigentlich keine ›richtigen‹ Frauen sind, was die Verwendung des Sternchens in diesem Kontext als transmisogyn entlarvt.
Ein weiteres Beispiel für die nur scheinbare Inklusivität war auch der Aufruf zum Frauen*kampftag. Dort sollten weiblich gelesene Personen unter der Kategorie »Frauen*« zusammengefasst werden. Hierbei wurde ignoriert, dass viele der unfreiwillig unter diesem Begriff einsortierten Personen (z.B. Transmänner, intergeschlechtliche Personen) keine Frauen sind und es cissexistische Gewalt ist, sie so zu bezeichnen.
Somit bewirkt das Sternchen nicht wie erhofft eine inklusivere Sprache, sondern gaukelt Inklusion vor, wo keine ist und zwingt Menschen gewaltvoll in Kategorien, in die sie nicht gehören.

Aus diesen Gründen schreiben wir unseren Gruppennamen jetzt:
transgeniale f_antifa


7 Antworten auf „JETZT NEU! Ohne Sternchen!“


  1. 1 Magda 01. November 2015 um 19:35 Uhr

    Toll!!

    Ich denke schon seit längerer Zeit darüber nach, wie sinnvoll ich das Sternchen hinter „Mann“ und „Frau“ finde, einfach, weil es keine Einigkeit darüber gibt, wie das Sternchen überhaupt gemeint ist und zweitens die meisten feministischen und linken Gruppen das Sternchen bei „Frau“ einfach für Personen mit Brüsten und Vagina benutzt haben – also cis-sexistisch – wie ihr schreibt. Danke auch für den Gedankenanstoß, das * bei trans wegzulassen. Das Sternchen hat in den letzten Jahren viele Texte zwar oberflächlich „ver-queert“, aber inhaltlich eigentlich gar nicht viel an cis-sexistischen Positionen verändert. Toll, dass ihr das mit eurem Text so verständlich beschreibt.

    Grüßlein, Magda

  2. 2 Anne Bonny 03. November 2015 um 20:06 Uhr

    Mir erschien das Gender-Sternchen auch niemals wirklich sinnvoll. Entsprechend begrüße ich Eure Entscheidung sehr!

  3. 3 rosah anders 07. November 2015 um 9:42 Uhr

    Hallo t f_a,
    ich finde eure reflektion sehr bereichernd und kann die argumente gut verstehen. Mir sind mehrere lichter aufgegangen. danke dafür!

    ich selbst habe das sternchen gern benutzt weil es mir und meiner heteronormativen Umgebung eine Welt neben einer konstruierten geschlechternormativität im geschriebenen aufzeigen konnte. Endlich haben die Leute auch von sich aus nachgefragt und ich konnte ihnen von meinen Erfahrungen in dieser Welt berichten und sie dadurch SICHTBAR machen. das war für mich ein seeeehr wertvolles Instrument.
    Nach dem Lesen eures Textes (ich gehe davon aus, dass die menschen,über die geschrieben wird auch selbst diesen text er-/bearbeitet haben) fällt mir auf, dass ich beim sichtbar machen wiederum andere nicht gesehen habe: nämlich genau die menschen, welche vermeintlich im * mitgemeint waren. Ich wurde zwar nie negativ darauf angesprochen, jedoch ist das ja auch nicht verwunderlich.
    Das gegenteil von gut – war mal wieder gut gemeint.

    Danke für den denkanstoss!
    Der Prozess geht weiter!
    I‘m sorry for mistakes!

  4. 4 sternchen 10. November 2015 um 16:05 Uhr

    Danke für den Post und die Erklärung.
    Leider kommt mir die Argumentation inkonsequent vor und die Konsequenz liest sich für mich wie „Lieber gar nix als was ‚etwas‘ falsch zu machen“. We don‘t live in a perfect world … deshalb finde ich Maßnahmen, die zumindest weniger „schlimm“ sind, besser als es sich in den eingeschränkten notions bequem zu machen.

    Allein schon der Schlusssatz „Somit bewirkt das Sternchen nicht wie erhofft eine inklusivere Sprache, sondern gaukelt Inklusion vor, wo keine ist und zwingt Menschen gewaltvoll in Kategorien, in die sie nicht gehören.“ ist doch total selbstreferentiell. Er „gaukelt“ vor etwas besser zu machen. Sternchen weg, kategorisiert doch noch mehr Menschen pauschal. Klar will ich, dass alle ihr eigenes Label haben können und es auch gefeiert werden kann, und dafür sollte doch jede meiner Handlungen in diese Richtungen gehen… und sich nicht auf der binären Welt ausruhen.

    Außerdem empfinde ich obige Definition des Sternchens selbst ganz schön eng und kenne deutlich größere Definitionsmengen a la „die voranstehende notion reicht nicht aus, um alle sich zugehörig Fühlenden (Sternchen) zu nennen.“

    Ich lasse mich natürlich gerne davon überzeugen, dass meine Überlegung inkonsequent ist ;-)

  5. 5 ***sternchenlover*** 13. November 2015 um 0:54 Uhr

    hallo f_antifas

    ich persönlich teile eure meinung zum sternchen nicht kompletto (vor allem beim wort trans) und werde es weiter benutzen, da es mir wichtig ist. eigentlich ist es mir ein bisschen egal ob andere leute trans mit oder ohne sternchen schreiben. sprache ist zwar wichtig und kann auch viel verändern, trotzdem kann es auch oft passieren, dass sich debatten an sprache verrennen und sich seiten gegenüberstehen, die eigentlich für gleiche/ähnliche sachen kämpfen. ich habe keine lust, dass leute mich zukünftig verbessern, mir vorwerfen ich sei nicht auf dem neusten stand weil ich ja noch das sternchen benutze. ähnliches erlebe ich beim unterstrich. das sei jetzt nicht mehr in, nicht mehr das richtige, das sternchen ist jetzt dran. oft höre ich argumente, dass trans*_**wieauchimmer personen sich durch den unterstrich nicht gesehen fühlen. und was ist mit mir? (ok, anderes thema)
    übrigens wohne ich in einer kleinstadt, was ich ganz großartig finde. außerhalb berlins gibt es nicht überall gruppen oder orte die ausschließlich für trans*leute offen sind. und wenn es sie gibt, dann finde ich es fabulös und freue mich darüber. ich habe keine lust, dass ich irgendwann mal irgendwo eine trans*gruppe eröffne, sie bekannt machen möchte und dann von vielen seiten als erstes die kritik kommt, lass das sternchen weg, das ist so 2015. (plus ein paar mehr argumente)
    dieser kommentar soll nicht bedeuten dass ihr unfug erzählt. ich kann euren punkt hier schon verstehen und lese immer wieder gerne texte von euch. allerdings habe ich es schon oft erlebt, dass solche kritiken dann als einzige wahrheit gesehen werden und anderen dann übergestülpt werden, ohne überhaupt drauf zu achten was in der stadt/gruppe/person gerade abgeht.
    ich bin trans* und männlich*. gerne habe ich das sternchen an meiner seite. mir ists egal wenn jemand das sternchen nicht schreibt. allerdings kann ich wirklich sehr wütend werden wenn es mir verwehrt oder wegdiskutiert wird.
    merci fürs lesen und sorry für die länge.

  6. 6 * 15. November 2015 um 18:34 Uhr

    „Das Sternchen hinter dem Wort »Frauen« sollte zeigen, dass Transfrauen miteinbezogen werden. Dadurch wird allerdings impliziert, dass sie eigentlich keine ›richtigen‹ Frauen sind, was die Verwendung des Sternchens in diesem Kontext als transmisogyn entlarvt.“

    Das sehe ich als nicht binäre transweibliche Person anders. Ich denke, dass das Sternchen dafür da ist zu zeigen, dass cis- und Tansfrauen sowie nicht binär weibliche Personen miteinbezogen werden sollen. Für mich ist das Sternchen ein essentieller Wegweiser in meinem Alltag. Es weist mir den Weg zu Veranstaltungen auf denen ich Willkommen bin. Sein fehlen zeigt mir wo 2nd Wave und andere TERFs sind – und damit wo ich ganz bestimmt nicht sein will.
    Somit verursacht euer Verzicht auf das Sternchen mindestens Unsicherheit bei mir in Bezug darauf, wo ich willkommen bin. Sollte sich euer Vorschlag durchsetzen werde ich wahrscheinlich mit widerlichen Ausschlüssen konfrontiert sein wenn ich aus Versehen auf einer TERF Veranstaltung o.ä. lande. Mein Alltag als Betroffene wird damit schwerer.

    An sich find ich es kacke, ein derart komplexes Thema mit ein paar Absätzen abzuwickeln anstatt euren Text als Diskussionsvorschlag auf den üblichen Seiten zu veröffentlichen. Hört erstmal vielen Betroffenen zu bevor ihr sowas entscheidet.

    Ich bitte darum das Sternchen weiter zu benutzen!

  7. 7 einKeinName* 15. November 2015 um 21:19 Uhr

    Hallo,
    was ist mit Menschen* welche* Stern* in Namen* verwenden?
    Und warum kommt in Text kein einziges mal weder_nochTrans* als (Selbst)Definition vor?

    Absofort alles ohne * schreiben zu wollen geht nicht nur an meiner Lebensrealität zu weit vorbei. Ich habe in meinem selbstgewählten Namen ein * und dieses Zeichen ist für mich ein Teil davon wie alle restlichen Buchstaben.
    Ohne hinzufügen hätte ich Namen vielleicht auch nicht so gewählt (wählen können).

    Wenn ich mir nun bald tolle Kritik an * anhören darf, von Menschen* welche ich kennenlerne kriegt ich jetzt schon Bauchschmerzen.

    Das es Aus-schlüße von Trans*Männnern* bei sogenannten Frauen*Kampftag gab finde ich ebenfalls Scheiße. Bin unter anderem deshalb dieses Jahr nicht hin.

    Jedenfalls fühle ich mich durch Text ausgeschloßen und nicht zu Diskuszion eingeladen, wo mein Trans*sein mit Stern* Akzeptanz findet.
    Und mir ist auch klar das Trans* nicht statisches bleiben soll.
    Es tut mir weh obigen Text /Manifest zu lesen und das nicht auf einer Reflektions- oder Erkenntnisebene, sondern weil es ein Aus-schluß mehr für mich darstellt.

    Was für (Selbst)Definitionszeichen sollte es denn sonst geben?
    Wurde darüber auch bei Schreiben von Text nach- und mitgedacht? Alle Dinge haben Schwächen und das Sternchen* ist für mich auf ganz anderen Ebenen unterwegs als z.b. Problematik wie X als pronoma zu verwenden.
    Text dazu hier:
    http://maedchenmannschaft.net/beyond-the-hype-reflexionen-ueber-caitlyn-jenner/

    Mir fällt auch gerade ein das ein Kommentar von mir bei Mädchenmannschaft seit halben Jahr nicht freigeschalten ist wo folgendes steht:
    „mal eine allgemeine frage welche mir eben einfällt:

    wann bekommt schriftzug mädchenmannschaft zusätze von * und _ ?
    zu beispiel bei mädchen*mann*schaft würde ich mich mehr angesprochen fühlen als aktuell und bisher.

    ich finde es ziemlich widersprüchlich trans*- und inter_*feindlichkeit analysieren und abbauen zu wollen, bzw. auch trans* und inter* menschen raum für beiträge geben zu wollen, aber soetwas grundsätzliches noch nicht geändert zu haben.“

    Kommentar war bei diesen Text von 3. Juni 2015 und ist wie gesagt noch immer nicht freigeschaltet:
    http://maedchenmannschaft.net/beyond-the-hype-reflexionen-ueber-caitlyn-jenner/

    Komischerweise beide Textlinks von mir in diesen Kommentar zu Texten von Hengameh.

    Anti Sternchen*-Text ist für mich eine von vielen elitär-aus-schließenden Diskuszionen.
    Das was von Text ausgeht finde ich cis-sexistisch weil ich dadurch nicht mehr sichtbar bin:
    Ich bin selbstdefiniert weder Frau* noch Mann* und auch nicht Intergeschlechtlich*
    Mein Name wäre ohne Sternchen* nicht mehr mein Name und Trans* als Wort ohne * alleine ist mir zu medizinisch konutiert. Auch Wortbedeutung von Trans ist mir ohne * zu sehr auf Zweigeschlechtlichkeit und sich für eins entscheiden sollen fixiert. Trans ohne * wird oft folgendes übersetzt:
    „über, hinüber, jenseits, auf die andere Seite“

    Und ich will nicht „auf die“ eine „andere Seite“ oder in ein „jenseits“.
    Trans alleine ohne * genügt mir nicht um Lesegewohnheiten (nicht nur schriftliche) zu dekonstruieren.

    Was für Alternativen gibt es?
    Für mich ist Stern* ein Sicht-bar machen meiner Selbstdefinierung als weder_noch* trans*

    Warum darf ein * nicht auch als Zeichen wie Buchstaben existieren?

    Ich wünsche mir mehr Raum für zugänglich gemachte Diskuszionen, manche Widersprüche und keine parteimäßige Politik-Agenda.
    Auf Aus-schlüße mit Aus-schlüßen zu antworten konstruiert zu schnell elitäre Strukturen. Es kann situationbedingt auch radikal und notwendig sein. Ist es für mich hier aber nicht.
    Trans* und Queer bedeutet für mich das eben nicht immer alles klar ist, kann und sein soll.

    Und gestellte Fragen sind nicht rhetorisch gemeint.
    Was gibt es für Alternativen?

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.