Archiv für Oktober 2015

JETZT NEU! Ohne Sternchen!

Wir haben uns entschlossen keine Sternchen mehr hinter dem Wort »trans« zu verwenden. Auch die Sternchen hinter »Männer« und »Frauen« haben wir gestrichen. Früher dachten wir, dass Sternchen unsere Sprache reflektierter und inklusiver machen. Inzwischen haben wir mehrere Schwächen des Sternchens bemerkt, weswegen wir es nicht mehr verwenden möchten.

Nicht-binäre Transpersonen sollten durch das Sternchen hinter »trans« miteinbezogen werden. Da der Begriff »trans« auch ohne Sternchen alle Personen umfasst, denen bei der Geburt ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde, ist der Begriff auch ohne Sternchen für nicht-binäre Transpersonen zutreffend. Die Verwendung des Sternchens impliziert dadurch nur, dass manche Transmenschen nicht als ›richtig‹ trans oder nicht als trans ›genug‹ verstanden werden.

Mit dem Sternchen hinter Geschlechterkategorien wollten wir diese als soziale Konstrukte markieren. Das macht in unseren Augen wenig Sinn, da andere soziale Konstrukte, wie beispielsweise »Staat«, etc., nie mit einem Sternchen versehen werden.

Das Sternchen hinter dem Wort »Frauen« sollte zeigen, dass Transfrauen miteinbezogen werden. Dadurch wird allerdings impliziert, dass sie eigentlich keine ›richtigen‹ Frauen sind, was die Verwendung des Sternchens in diesem Kontext als transmisogyn entlarvt.
Ein weiteres Beispiel für die nur scheinbare Inklusivität war auch der Aufruf zum Frauen*kampftag. Dort sollten weiblich gelesene Personen unter der Kategorie »Frauen*« zusammengefasst werden. Hierbei wurde ignoriert, dass viele der unfreiwillig unter diesem Begriff einsortierten Personen (z.B. Transmänner, intergeschlechtliche Personen) keine Frauen sind und es cissexistische Gewalt ist, sie so zu bezeichnen.
Somit bewirkt das Sternchen nicht wie erhofft eine inklusivere Sprache, sondern gaukelt Inklusion vor, wo keine ist und zwingt Menschen gewaltvoll in Kategorien, in die sie nicht gehören.

Aus diesen Gründen schreiben wir unseren Gruppennamen jetzt:
transgeniale f_antifa

Menstruation als Grundlage für ein feministisches Selbstverständnis?

Ein Diskussionsbeitrag über Menstruation
in feministischen Kontexten

Seit längerem beschäftigen sich feministische Akteur_innen mit Menstruation und ihrer gesellschaftlichen Stigmatisierung. Menstruation gilt in dieser Gesellschaft – und nicht nur hier – als »unrein« und »schmutzig«, als etwas, das »sauber und diskret« ablaufen soll und worüber am besten – wenn überhaupt – nur unter guten Freund_innen geredet wird. Es gibt viele gute Gründe, diese Stigmatisierung und Unsichtbarmachung aus feministischer Perspektive zu kritisieren. Das wird häufig durch Fotoprojekte mit Menstruationsblut oder andere kunstvolle Aktionen getan, oder einfach dadurch, dass das Thema auf die feministische Agenda gesetzt und öffentlich diskutiert wird. Dabei spielt Self-Empowerment eine wichtige Rolle. Sich selbst, den eigenen Körper und die Tatsache, dass dieser Körper menstruiert, nicht als etwas Schlechtes zu betrachten, ist eine gute und wichtige Sache.

Nun gibt es aber nicht nur gute Gründe für dieses Self-Empowerment, sondern auch einige Aspekte, die letzten Endes selbst zu einer Stigmatisierung von bestimmten Gruppen beitragen. Wir finden es toll, wenn Menschen sich selbstbewusst und positiv auf ihre menstruierenden Körper beziehen können. Dass dabei in den seltensten Fällen daran gedacht wird, dass damit neue Ausschlüsse produziert werden, lässt uns am emanzipatorischen Gehalt dieser Praxis zweifeln.

Zum einen gibt es etliche Frauen (und hier meinen wir explizit Cisfrauen und Transfrauen) die ihre Menstruation nicht feiern können, weil sie aus den verschiedensten Gründen nicht menstruieren. Und es gibt viele Menschen, die sie nicht zelebrieren wollen, weil für sie der menstruierende Körper ein Grund für Gender Dysphoria ist, unter anderem Transmänner und nicht-binäre Menschen.

Viele Menschen haben auch durch die Menstruation starke chronische Schmerzen oder andere damit zusammenhängende Erkrankungen. In feministischen Räumen mit Menstruation konfrontiert zu sein, ist ein potentieller Auslöser (Trigger) für traumatische Erinnerungen, die Menschen mit der Menstruation verbinden.

Mit dem Thema Menstruation wird zum Teil sehr offensiv umgegangen, was aufgrund der gesellschaftlichen Stigmatisierung durchaus verständlich ist. Kein Verständnis haben wir jedoch dafür, dass kein einziger Gedanke an Menschen verschwendet zu werden scheint, für die Menstruation vor allem Schmerz und Leid bedeutet.

Das Abfeiern der Menstruation ist nicht nur eine Form des Self-Empowerment, sondern trägt auch zur Bildung eines kollektiven feministischen Selbstverständnisses bei. Dies geht häufig – zumindest unterschwellig – mit der transmisogynen Vorstellung einher, eine »echte« Frau müsse eine (menstruierende) Vulva haben. Transfrauen und andere transweibliche Menschen sind durch die Tatsache, dass sie nicht menstruieren, von vornherein von diesem feministischen Kollektiv ausgeschlossen.

Uns geht es nicht darum, die feministischen Debatten um Menstruation zu beenden oder Menschen vorzuwerfen, dass sie sich selbstbewusst und positiv auf ihre menstruierenden Körper beziehen. Wir wollen vielmehr die Diskussion erweitern und daran erinnern, wer bei den Debatten um Menstruation nicht mitgedacht wird. Wir wünschen uns – nicht nur bei diesem Thema – eine größere Sensibilität dafür, wie Self-Empowerment selbst zu neuen Ausschlüssen führen kann. Ein emanzipatorischer Feminismus, der diesen Namen verdient, muss sich darüber Gedanken machen. Denn aus den bis heute andauernden Auseinandersetzungen um Rassismus oder Klassismus in feministischen Bewegungen ziehen wir den Schluss: Ein Feminismus, der die Stimmen von marginalisierten Gruppen ignoriert, wird keine Befreiung bringen.

»Lieber Cis-Feminismus«

Dieser Text wurde uns zugeschickt. Da wir dem Inhalt zustimmen, veröffentlichen wir ihn gerne.

»Lieber Cis-Feminismus«

Ein Abschied bis auf Weiteres

Mit dem Begriff »cis« (Aussprache: ziss) oder »cisgeschlechtlich« werden Menschen bezeichnet, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, dass ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der Begriff ist das Gegenstück zu »trans« oder »transgeschlechtlich«.

Lieber Cis-Feminismus,

wir kennen uns jetzt schon sehr lange. Als ich Dich das erste Mal getroffen habe, war ich ziemlich beeindruckt von Dir, denn Du hast auf mich so stark und mutig gewirkt. Wir haben uns ausgetauscht, viel gelacht, oft auch geweint und ich habe wirklich viel mitgenommen aus den Begegnungen mit Dir. Du hast mir ganz neue Seiten des Lebens gezeigt und dafür werde ich Dir immer dankbar sein.

Aber sicher hast Du selbst gemerkt, dass unser Verhältnis mit der Zeit immer angespannter wurde. Früher hast Du mir ganz viele Dinge erklärt und beigebracht und ich habe wirklich wichtige Dinge von Dir gelernt. Ohne Dich wäre ich sicherlich nicht die Person, die ich jetzt bin. Aber heute bin ich nicht mehr das naive Mädchen, das noch nicht erkannt hat, dass es eine Frau ist. Heute bin ich eine Frau, der immer wieder eingeredet wird, ihre Weiblichkeit sei nicht »echt«. Eine Frau, der vermittelt wird, leider die »falschen« Genitalien zu haben, um eine »richtige« feministische Frau zu sein. Eine Frau, die sich vorwerfen lassen muss, »männliche Privilegien« zu besitzen, weil sie bei der Geburt geschlechtlich falsch eingeordnet wurde. Eine Frau, die von vielen nicht als Frau anerkannt wird.

Darüber habe ich auch schon oft mit Dir geredet, oder besser gesagt, versucht mit Dir zu reden. Denn wirklich zugehört hast Du mir nie. Du wolltest nicht wahrhaben, dass Du selbst dazu beiträgst, dass ich meine Weiblichkeit infrage stelle. Es interessiert Dich auch nicht, dass Du heute ganz viel von mir lernen könntest. Du willst mir einfach nicht zuhören, egal wie oft und wie laut ich mich zu Wort melde. Und das tut verdammt weh.

Denn als ich wichtige Dinge noch nicht begriffen hatte, habe ich an Deinen Lippen gehangen und alles aufgesogen, was Du gesagt hast. Und jetzt, wo ich Dir für Deine Hilfe etwas zurückgeben kann und will und Du etwas von mir lernen könntest, ignorierst Du mich einfach.

Bitte versteh mich nicht falsch. Ich schätze Dich für die vielen wichtigen Dinge, die Du getan hast und immer noch tust. Aber dass Du mir und anderen marginalisierten Personen nicht zuhörst und unsere Kritik und unsere Anregungen ignorierst, trägt nicht gerade dazu bei, dass ich auch in Zukunft ein Teil von feministischen Bewegungen sein möchte. Du stößt mich von Dir weg ohne es wirklich zu merken. Du verhältst Dich mir gegenüber immer wieder gewaltvoll und wenn ich versuche Dir zu erklären, was mich so verletzt, rechtfertigst Du Dich, anstatt mir zuzuhören und über meine Worte nachzudenken. Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Du Dir Mühe gibst und Dich wirklich ändern willst. Aber jedes Mal, wenn Du mir erneut gezeigt hast, dass meine Perspektive Dich gar nicht wirklich interessiert, ist ein kleines Stück meiner Hoffnung, dass Du mich ernst nimmst und Dich veränderst, verloren gegangen.

Diese Hoffnung ist inzwischen so klein geworden, dass sie nicht mehr ausreicht, um mich ständig Deiner Gewalt auszusetzen. Und so lange Du nicht beweist, dass es Dir ernst damit ist, Dich zu verändern, ist es besser für mich, wenn wir uns erstmal aus dem Weg gehen. Denn wir können keinen gemeinsamen Kampf führen, wenn ich gleichzeitig gegen Dich kämpfen muss. Ich hoffe Du wirst das irgendwann verstehen.

Eine wütende Transfrau
September 2015