Redebeitrag auf der „What the Fuck“-Demo

Hier gibt es unseren Redebeitrag von der What the Fuck-Demo am 20.9.2014 zum Nachlesen:

Wir sind heute auf der Straße, um gegen den “Marsch für das Leben” zu demonstrieren. Der “Marsch” wird hauptsächlich von christlichen Fundamentalist_innen, beziehungsweise Evangelikalen organisert. Wir wollen im Folgenden beispielhaft auf das homofeindliche und transfeindliche Weltbild der Fundamentalist_innen eingehen.

Homosexualität wird von Evangelikalen nicht selten als »Sünde« betrachtet und einige evangelikale Organisationen schreiben sich noch immer die angebliche »Heilung« von Lesben und Schwulen auf die Fahnen, so zum Beispiel auch das »Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft« (DIJG). Unter dem irreführenden Stichwort »Recht auf Selbstbestimmung« engagiert sich das DIJG eigenen Angabe zufolge für Menschen, »die unter ihren homosexuellen Gefühlen leiden und diese als unvereinbar mit ihren Wünschen und Überzeugungen ansehen«. Dabei wird selbstverständlich übersehen, dass die heteronormative Gesellschaft in der wir leben, und insbesondere christliche Akteur_innen dieses »Leid« überhaupt erst produzieren! Lesben und Schwule wachsen in einer Gesellschaft auf, die ihnen immer wieder vermittelt, ihre Gefühle seien nicht »normal«. In evangelikalen Kreisen kommt hinzu, dass Homosexualität als »Sünde« bezeichnet wird. Da ist es kein Wunder, dass schwule und lesbische Christ_innen sich an das DIJG wenden, weil »sie sich eine Ehe oder ein gelingendes sexuell abstinentes Leben« wünschen. Homofeindliche Christ_innen sind deshalb mit Schuld daran, wenn queere Menschen ihre Identität hinterfragen und anzweifeln!

Die DIJG vertritt zudem ein äußerst biologistisches und transfeindliches Verständnis von Geschlecht. In Zusammenhang mit geschlechtsangleichenden Operationen von Transmenschen heißt es: »In Wirklichkeit können chirurgische Eingriffe das Geschlecht nicht verändern. Es ist genetisch festgelegt« In dem Text werden Transfrauen durchgängig als »Männer« und Transmänner als »Frauen« bezeichnet. Geschlecht kann aber nur über die Selbst-Definition der Betreffenden definiert werden. Transfrauen sind Frauen und Transmänner sind Männer. Diese Selbstdefinition nicht zu respektieren, ist transfeindlich.

Doch die Ungleichbehandlung von Transmenschen findet sich nicht nur in evangelikalen Kreisen, sondern in allen Teilen der Gesellschaft, also auch in feministischen Zusammenhängen. So kommt es beispielweise häufig vor, dass im Zusammenhang mit Schwangerschafts-Abbrüchen lediglich von “Frauen” gesprochen wird. Dabei werden mehrere Dinge übersehen. Zum einen können nicht alle Frauen schwanger werden, zum Beispiel Transfrauen. Zudem können auch Menschen schwanger werden, die keine Frauen sind, beispielsweise Transmänner, intergeschlechtiche Menschen und andere Personen, die sich keinem der beiden gesellschaftlich anerkannten Geschlechter zuordnen können oder wollen. Menschen mit unterschiedlichen Identitäten und Selbstdefinitionen können somit schwanger werden und brauchen ungehinderten Zugang zu Schwangerschafts-Abbrüchen. Das bedeutet, dass für alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht die medizinische Versorgung für einen Schwangerschafts-Abbruch gewährleistet sein muss, ohne Infragestellung der Identität oder Pathologisierungen.

Wir demonstrieren heute nicht nur gegen die reaktionäre Ideologie der Fundamentalist_innen, sondern auch für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung. In feministischen Diskussionen ist damit in diesem Zusammenhang häufig der freie Zugang zu Schwangerschafts-Abbrüchen gemeint. Doch wir fassen den Begriff der körperlichen Selbstbestimmung weiter. Uns geht es auch um die Freiheit, Beziehungen abseits der heterosexuellen Norm leben zu können. Uns geht es auch darum, dass wir uns als Transmenschen so kleiden können wie wir wollen und dass wir freien Zugang zu Hormontherapie und geschlechtsangleichenden Operationen haben. Uns geht es auch um die körperliche Selbstbestimmung von intergeschlechtlichen Menschen. Denn in Deutschland werden noch immer intergeschlechtliche Kinder zwangsoperiert, wenn ihre Genitalien nicht eindeutig in die Kategorien “männlich” oder “weiblich” eingeordnet werden können.

Es sind unsere Körper und somit auch unsere Entscheidung! Und zwar auf allen Ebenen. Gegen religiöse und staatliche Bevormundung!

Für eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können!


0 Antworten auf „Redebeitrag auf der „What the Fuck“-Demo“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


acht + sieben =