Archiv für August 2014

Mobi-Video zur Kundgebung am 22.8.

Am Montag, dem 18. August 2014 besuchte eine Gruppe Antifaschist_innen mehrere Tatorte antisemitischer Übergriffe und machte mit Plakaten, Flugblättern und Transparenten auf die alltäglichen Bedrohungen und Gewalt aufmerksam.

www.gemeinsamgegenantisemitismus.blogspo­rt.de

22.8.: Kundgebung gegen Antisemitismus

Gemeinsam gegen Antisemitismus
Kundgebung in Solidarität mit allen Jüdinnen_Juden

Seit Anfang Juli erleben wir in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine Welle von anti-israelischen Demonstrationen, auf denen nicht selten offen antisemitische Parolen gerufen werden. »Jude, Jude, feiges Schwein« und »Hamas, Hamas, Juden ins Gas« sind dabei nur zwei Beispiele von vielen. Auch die Plakate auf diesen Demos sprechen eine deutliche Sprache: »Stoppt den Holocaust in Gaza« und Israelfahnen, auf denen der Davidstern durch ein Hakenkreuz ersetzt wurde, sind dort beliebte Motive. Im Zuge der Proteste gegen die erneute Eskalation im Gaza-Konflikt gab es auch zahlreiche Übergriffe auf Jüdinnen_Juden sowie Angriffe auf Synagogen. In Berlin kam es in den letzten vier Wochen zu mehreren antisemitischen Angriffen. So wurde am 19. Juli ein israelisches Paar am Rande einer Gaza-Demo in Berlin-Mitte attackiert. Am 24. Juli folgte ein weiterer Angriff in Charlottenburg auf einen Mann, der durch seine Kippa als Jude erkennbar war. Bereits am 7. Juli war ein Mann im Tiergarten angegriffen worden, weil er eine Mütze mit einem Davidstern trug. In Wuppertal kam es zu einem Brandanschlag auf die örtliche Synagoge. Auch auf europäischer Ebene ist Antisemitismus präsent. So gab es 2012 in Toulouse und 2014 in Brüssel Mordanschläge in jüdischen Einrichtungen, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Im Zuge der aktuellen Geschehnisse kam es im Pariser Stadtteil Sarcelles zu pogromartigen Ausschreitungen, bei denen ein jüdisches Geschäft niedergebrannt wurde.

Solche Attacken basieren auf dem Hass auf Jüdinnen_Juden und auf der antisemitischen Annahme, Jüdinnen_Juden seien ein einheitliches Kollektiv, das für die israelische Politik verantwortlich gemacht werden könne. Hierbei sind derzeit verstärkt islamistische Akteur_innen am Werk, die teilweise durch antisemitische Aufrufe in Moscheen in ihrem Handeln bestärkt werden. Erinnert sei hier beispielhaft an die Worte von Imam Bilal Ismail bei seiner Predigt am 18. Juli in der Al-Nur-Moschee in Berlin. Dort bat er Allah: »Vernichte die zionistischen Juden, sie sind keine Herausforderung für Dich. Zähle sie und töte sie bis auf den letzten.«
Wenn Joachim Gauck in diesem Zusammenhang dann von »importiertem Antisemitismus« redet, verkennt er, dass Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft nach 1945 nie richtig aufgearbeitet wurde und in beiden deutschen Staaten weiterhin alltäglich war. Dies äußerte sich beispielsweise in der Zerstörung von jüdischen Friedhöfen durch Neonazis oder der Leugnung der Shoah, also des Massenmordes an den europäischen Jüdinnen_Juden. Weil es aber nach 1945 aufgrund der deutschen Schuld an der Shoah lange Zeit unmöglich war, offen gegen Jüdinnen_Juden zu hetzen, drückt sich Antisemitismus häufig in Bezug auf den Staat Israel aus. Dieser antizionistische Antisemitismus äußert sich dann zum Beispiel darin, dass Akademiker_innen Briefe an jüdische oder israelische Einrichtungen schreiben, in denen sie behaupten, das, was Israel den Palästinenser_innen antue, sei das gleiche, wie das, was die Nazis den Jüdinnen_Juden angetan haben.

Oft ist (nicht nur) diese Form des Antisemitismus mit Verschwörungstheorien verknüpft, die eine »jüdische Weltverschwörung« imaginieren. Dies zeigt sich aktuell bei den derzeitigen »Montagsdemos«, bei denen über »die Macht der Rothschilds« gefaselt wird. Am 4. August demonstrierten zudem Teilnehmer_innen der »Montagsdemo« in Berlin vor der Synagoge in der Oranienburger Straße gegen die israelische Politik. Dass Antisemitismus keineswegs Neonazis oder Verschwörungstheoretiker_innen vorbehalten ist, zeigte sich in den letzten Wochen noch einmal sehr deutlich. Er ist Teil der deutschen Gesellschaft. Er findet sich in Kolumnen der »Süddeutschen Zeitung«, in Karikaturen der »taz«, in Beiträgen von Politiker_innen verschiedenster Parteien und natürlich am deutlichsten am virtuellen und analogen Stammtisch. Linke Gruppierungen leisten den antisemitischen Tendenzen dabei zum Teil öffentlich Vorschub. Dass linke Organisationen mancherorts die Gaza-Demonstrationen organisierten, auf denen es zu Ausschreitungen und Angriffen kam, ist dabei ähnlich fatal, wie der Fakt, dass die meisten Linken zu den aktuellen antisemitischen Angriffen schweigen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland fragte Ende Juli: »Warum gibt es keine Welle der Sympathie mit uns Juden?« und der Vorsitzende des Zentralrates, Dieter Graumann, sagte, viele jüdische Menschen seien so verunsichert, dass sie sich fragten, ob es wieder Zeit sei, die Koffer zu packen und Deutschland zu verlassen. Damit bezog er sich auf die Fluchtwelle der deutschen Jüdinnen_Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.

Mit einer Kundgebung gegen Antisemitismus wollen wir ein Zeichen der Solidarität mit allen Jüdinnen_Juden setzen und rufen dazu auf, auch darüber hinaus Sympathie zu bekunden. Wir treten für eine Gesellschaft ein, in der Jüdinnen_Juden sich nicht vor antisemitischen Attacken fürchten müssen und niemand Angst haben muss, in der Öffentlichkeit eine Kippa oder einen Davidstern zu tragen, kurz: eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können.

Kommt am 22. August 2014 um 16:00 Uhr zur antifaschistischen Kundgebung in die Augsburger Straße. Weitere Infos unter: gemeinsamgegenantisemitismus.blogsport.de

Against any antisemitism!

Das Problem heißt Antisemitismus
The Problem is called: antisemitism

Statement about the current antisemitic incidents

Trigger warning: This text includes descriptions of antisemitic violence

Since about the beginning of July demonstrations »in solidarity with Palestine« are taking place in Berlin, Essen, Vienna, Paris and other cities. Antisemitic slogans, attacks on Jews, synagogues and pro-Israeli demonstrators are quite often part of these demonstrations. On July 17 pro-Palestinian protestors shouted »Jew, Jew, cowardly pig, come out and fight on your own!« at a demonstration in Berlin. [1] After the American Jewish Committee filed a charge of hate speech, the prosecution only classified the slogan as a slur. [2] An Israeli couple was attacked by pro-Palestinian protestors von July 19. As the attackers saw the man who was wearing a kipah they insulted the couple in an antisemtic manner and attacked them saying: »We wil kill you!« [3] In Essen a pro-Israeli demonstration was surrounded, insulted antisemitically and pelted with various objects on July 18. [4] In Paris a synagogue was firebombed and a Jewish store was burned to the ground. [5] The list of antisemitic attacks could be continued endlessly. These pogrom-like conditions make us afraid and show that outhright antisemitism is not a closed chapter of history. With the intensification of the situation in Israel and Gaza age-old antisemitic resentments and anti-Jewish hatred come into the open. The popular slogan »Child killer Israel« for example goes back to the medieval Christian myth which accused »the Jews« of kidnapping and murdering children for religious purposes. [7] Furthermore the common argumentation saying the Hamas rocket fire is Israel’s »own fault« shows terrifiying parallels to the antisemitic view saying the Shoah – the destruction by the Nazis and their collaborators – was the Jew’s »own fault« (for example because they supposedly didn‘t resist).

As an antifascist group we clearly take up position against such antisemitic traditions and against antisemitism in all it’s shapes! It’s unbelievable that the (German) Left didn‘t say much about the antisemitic attacks so far. No matter what the situation in Israel and Gaza is, from our point of view it’s not okay to attack pro-Israeli demonstrators as it happened in Essen on July 18! This is not about analyzing the Middle East conflict or about being »pro Israel«. This is about criticizing the current antisemitism related to the war between Israel and Hamas. An antifascist Left who is serious »that Auschwitz is not repeated, that nothing similar happens« has to stand up against any form of antisemitism in strong terms. Not only when Nazis desecrate Jewish cemeteries or deny the Shoah, but also when antisemitic sterotypes are being used in relation to the Jewish state and antisemitism is expressed under the pretext of »criticizing Israel«. This has nothing to do with speaking up for the Israeli government, the settlements or the military interventions of the Israel Defense Forces. It’s the consequence of an analysis which doesn‘t reduce antisemitism to the direct hate against Jews, but also includes the hate against the Jewish state.

However an antiracist Left has to avoid the mistake to blame antisemitism altogether on »the Muslims« or »the Arabs« like it currently happens in a lot of reports about the topic. [7] Although openly antisemitic slogans and attacks are currently caused increasingly by Islamist forces, it would be wrong to describe antisemitism as an »Islamist phenomenon«. Because antisemitism is to be found in all parts of society. An emancipatory struggle against anti-semitism must not and may not be fought with racist and anti-Muslim resentments.

Solidarity with all Jews affected by antisemitism!

Statement as PDF

[1] https://www.youtube.com/watch?v=TbYTUUZLGus#t=1m13
[2] Tagesspiegel: „Jude, Jude, feiges Schwein“ soll auf Demonstrationen verboten werden
[3] Jüdische Allgemeine: Eskalation bei Anti-Israel-Demos
[4] Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg: Solid-Demo endet in antisemitischer Gewalt – und der Polizeieinsatz in einem Desaster
[5] Aargauer Zeitung: In Sarcelle herrscht plötzlich nur noch Gewalt, Hass und Angst
[6] Wikipedia: Blood libel
[7] MiGAZIN: Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus in der aktuellen Antisemitismus-Debatte

Octubre Trans Barcelona

english:

The collective Octubre Trans in Barcelona regularly organizes trans-feminist events. One member of the collective is visiting Berlin and wants to tell us about their work and struggles, as well as share and compare our trans-queer-feminist activist experiences, tools, desires, contradictions. The event is held in english with possibility of german translation.

Saturday August 16, 2014 | 4 pm
faq Infoladen | Jonasstraße 40 | 12053 Berlin

deutsch:

Das Kollektiv Octubre Trans in Barcelona organisiert regelmäßig trans-feministische Veranstaltungen. Eine Person aus dem Kollektiv kommt nach Berlin und möchte uns von der Arbeit und den Kämpfen des Kollektives erzählen sowie unsere trans-queerfeministischen Aktivitäten, Werkzeuge, Wünsche und Widersprüche miteinander vergleichen. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt mit der Möglichkeit, ins Deutsche zu übersetzen.

Samstag, 16. August 2014 | 16 Uhr
faq Infoladen | Jonasstraße 40 | 12053 Berlin