Stellungnahme zum Rassismus bei »My Little Pony: Freundschaft ist Magie«

Wir haben uns entschieden die Bilder auf dem Cover und der Rückseite unserer Broschüre »Mädchen? Junge? Pony?« durch andere Bilder zu ersetzen. Grund dafür ist der Rassismus in der TV-Serie »My Little Pony: Freundschaft ist Magie«, aus der die Bilder entnommen sind. Als wir die Bilder für die Broschüre ausgesucht haben, kannten wir die TV-Serie nicht und haben sie erst nach dem Druck der Broschüre angesehen. Die Serie ist durchzogen von rassistischen Bildern. Tiere, die keine Ponys sind, werden als »die Anderen« dargestellt und diskriminiert. Bestimmte Tierarten können stellvertretend für bestimmte ›kulturelle Gruppen‹ im realen Leben gesehen werden. So repräsentieren beispielsweise Ponys die weiße Mehrheitsgesellschaft, während Zebras für Schwarze Menschen stehen.

Bereits in der ersten Staffel der Serie kommen rassistische Bilder vor. So wird in der 9. Folge das Zebra Zecora als Magierin aus einem weit entfernten Land dargestellt, die viele goldene Ringe um den Hals trägt und klischeehafte ›afrikanische Masken‹ an der Wand ihres Hauses hat. Deshalb haben anfangs fast alle Ponys große Angst vor ihr.

Die 21. Folge spielt in einer Umgebung, die an den Westen der USA erinnert. In der Siedlung Apple-Loosia leben die »Siedlerponys«, die wie Cowboys/Cowgirls aussehen. Außerhalb der Siedlung leben Büffel, die Federkopfschmuck tragen und in Tipis leben. Die Ponys haben auf dem Land, das sie den Büffeln gestohlen haben, eine Apfelplantage errichtet. Dies führt zu einem Konflikt, der dadurch gelöst wird, dass die Büffel merken, wie lecker der Apfelkuchen ist, den die Ponys backen. Am Ende wird ein Kompromiss gefunden und alle haben sich ganz doll lieb. Dadurch werden der kolonialistische Landraub und der Genozid an den Menschen, die vor der Kolonisierung dort lebten, verharmlost und legitimiert. Es wird so getan, als hätten die Kolonialist_innen irgendwelche legitimen Ansprüche. Dass hier ausgerechnet Büffel als Symbol verwendet werden, ist besonders zynisch. Denn eine Strategie der weißen Kolonialist_innen zur Unterwerfung und Kontrolle der Bevölkerung war die gezielte massenhafte Tötung von Büffeln, welche deren Hauptnahrungsquelle darstellte.

Dies sind nur zwei Beispiele für den Rassismus bei »My Little Pony«. Für eine ausführliche Analyse empfehlen wir den (englischsprachigen) Text »My Little Pony: Racism is Magic (Ugh!)«, zu finden unter www.racism-in-a-kids-show.blogspot.de

Es gibt für uns viele gute Gründe, knuffige Ponys als Titelbild zu haben. Noch mehr Gründe gibt es für uns aber, Ponys aus einer rassistischen Serie vom Titelbild zu entfernen. Falls sich Menschen durch die Verwendung der Ponys verletzt gefühlt haben, möchten wir uns hiermit in aller Form dafür entschuldigen.


2 Antworten auf „Stellungnahme zum Rassismus bei »My Little Pony: Freundschaft ist Magie«“


  1. 1 Florian Kammeier 29. April 2014 um 23:51 Uhr

    Hallo,
    ich selber kenne die Serie sehr gut und kann eure Aufruhen zunächst nachvollziehen.
    Sicher kann Toleranz nicht durch betonen von Unterscheiden, auch mit guter Intention, geschehen. Die Message dieser Serie ist es hingegen, jeden Unterschied verschwinden zu lassen und jedem individuellen Wesen als gleich wertvoll und in seinen Charakterzügen einzigartig zu begegnen.
    Die Charaktere der Serie bauen ALLE auf ein vereinfachtes Muster idealisierter Stereotypen und Verhaltensweisen Einzelner auf. Die Message soll sein, den Umgang und die würdevolle Verständigung über bedingungslose Liebe zu erreichen.

    Ich sehe das ganze eher als eine Kritik mit guten Gründen und Lösungsvorschlägen.
    Medien müssen selbstverständlich vorsichtig sein, weil sie viel Verantwortung tragen, ich würde aber nicht soweit gehen und den Produzenten an diesem Punkt einen Fehler vorwerfen.

    Solidarische Grüße

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Problemponies, Pansexualität, Polizei – die Blogschau Pingback am 01. März 2014 um 10:01 Uhr

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