Archiv für Juli 2013

Selbstverständnis

Unser ausformuliertes Selbstverständnis ist fertig. Du kannst es online lesen oder als pdf-Datei herunterladen.

Das Selbstverständnis wird außerdem in gedruckter Form bei unseren Veranstaltungen erhältlich sein.

Bash Back Buffet

Gründungs-Feierlichkeit der transgenialen f_antifa

(English version below)

Erinnert sich eine_r an die 1990er Jahre? Weiß noch irgendwer, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit Frauen-Antifa-Gruppen gab? Es scheint, als sei die Verbindung von Feminismus und Antifa in Vergessenheit geraten und die Bezeichnung Fantifa weitgehend in der Versenkung verschwunden. Doch wer glaubt, Fantifa sei erledigt, hat sich gewaltig geirrt. Denn jetzt gibt es uns: die transgeniale f_antifa. Antifa, weil Nazis und die Zustände, die ihre Ideologie möglich machen noch immer abgeschafft gehören. F_, weil Feminismus nicht nur heißt, das Patriarchat kaputtzumachen, sondern auch andere Herrschaftsverhältnisse mitzudenken und zu sabotieren. Transgenial, weil immer noch viel zu viele Leute glauben, es gäbe nur zwei Geschlechter und wir diese Behauptung wegglitzern werden.

Esst, genießt & schnabuliert mit uns Pizza, Kuchen & Kindersekt (lecker, vegan & alkoholfrei) zur finanziellen Unterstützung unserer Arbeit. Bestaunt unsere Aufkleber, Broschüren, Flyer & Buttons. Schmeißt mit Konfetti & Glitzer um Euch. Feiert mit uns.

Samstag | 7. September 2013 | 15 Uhr | Projektraum H48
Hermannstraße 48 | 12049 Berlin | 2. Hinterhof | 1. Stock
U8 Boddinstraße (ohne Aufzug) | U7/U8 Hermannplatz (mit Aufzug)

Wenn die Tür zu ist, bei »Projektraum« klingeln.
Der Raum ist rauchfrei, offen für alle Geschlechter
und mit dem Rollstuhl über einen Aufzug erreichbar.

17 Uhr | »(A)Sexual« | Film über Asexualität
Regisseur_in: Angela Tucker | 2011
75 Minuten | Englisch | englische Untertitel


(mehr…)

Bericht zur Mad & Disability Pride Parade

Erinnert sich eine_r an die 1990er Jahre? Weiß noch irgendwer, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit Frauen-Antifa-Gruppen gab? Und kann sich jemensch erinnern, was diese Gruppen gefordert und erkämpft haben? Unser Eindruck ist, dass das Wissen, um feministische Antifa-Gruppen weitgehend verloren gegangen ist. Sich explizit Fantifa nennende Gruppen sind uns heute nicht bekannt. Es scheint, als sei die Verbindung von Feminismus und Antifa in Vergessenheit geraten und die Bezeichnung Fantifa weitestgehend in der Versenkung verschwunden. Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt das kürzlich erschienene Buch „Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken“ dar.

Doch wer glaubt, Fantifa sei erledigt, hat sich gewaltig geirrt. Denn jetzt gibt es uns: die transgeniale f_antifa. Antifa, weil Nazis und die Zustände, die ihre Ideologie möglich machen noch immer abgeschafft gehören. F_, weil Feminismus nicht nur heißt, das Patriarchat kaputtzumachen, sondern auch andere Herrschaftsverhältnisse mitzudenken und zu sabotieren. Transgenial, weil immer noch viel zu viele Leute glauben, es gäbe nur zwei Geschlechter und wir diese Behauptung wegglitzern werden.

All diese Aspekte unseres Selbstverständnisses, verbanden sich am 13. Juli mit unserer Teilnahme an der „behindert und verrückt feiern Pride Parade“ in Berlin-Kreuzberg. Die Organisator_innen hatten alle „Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Kranke und Normalgestörte“ aufgerufen: „Tanzt Barrieren weg! Hüpft aus den Schubladen! Scheißt auf Diagnosen!“

Weil wir uns davon angesprochen fühlten, nahmen wir mit einer Gender-Queer-Fahne und einem glitzernden Schild an der Parade teil. Um die Farben der Fahne (lavendel, weiß, flaschengrün) zu erklären und die Gender-Queer-Fahne bekannter zu machen, verteilten wir 400 Flugblätter in Leichter Sprache. Viele Menschen nahmen die Flugblätter interessiert entgegen und merkten an, dass sie sich schon gefragt hätten, was die Fahne bedeutet. Einige Menschen teilten uns auch mit, dass sie es toll fanden, dass das Flugblatt in Leichter Sprache geschrieben ist. Schon bei der Auftaktkundgebung am Hermannplatz wurde das Flugblatt von vielen Menschen gelesen und auch angeregt diskutiert.

Mit unserem Schild nahmen wir Bezug auf die Pathologisierung von Transmenschen: „Trans*sein ist keine ‚Krankheit‘, sondern meine Glitzer-Rebellion!“ Denn noch immer wird Transsein im ICD-10, dem Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation, aufgeführt und als psychische „Störung“ bezeichnet. Auch im DSM-5, dem diagnostischen Handbuch der American Psychiatric Association – auf das sich weltweit bezogen wird – wird Transsein ebenso bezeichnet. Diese „Diagnose“ gehört – genau wie alle anderen Pathologisierungen – abgeschafft.

Bei der Auftaktkundgebung der Parade wurden Redebeiträge verlesen, die auch in Deutsche Gebärdensprache übersetzt wurden. Zwischendurch gab es immer wieder Musik. Später zogen ungefähr 1.000 Menschen Konfetti werfend, tanzend, rollend, Fahnen schwenkend und feiernd durch Kreuzberg. Um auch feministische und Trans-Standpunkte zu verdeutlichen, riefen wir zusammen mit solidarischen Menschen Parolen wie „Wir sind laut, wir sind hier – feministisch, genderqueer!“ und begrüßten die Anwohner_innen mit „Hallo Kreuzberg, wir sind da – transgeniale f_antifa!“ Unsere Wut über Pathologisierungen und die ganze andere Kackscheiße drückten wir aus durch den Spruch „Women, girls and trans unite – we are angry we will fight!“

Wir freuten uns über die Teilnahme verschiedenster Menschen und über bunt bemalte Transparente und Schilder mit Aussagen wie:
„A person who functions normally in a sick society is themself sick“ („Eine Person, die in einer kranken Gesellschaft normal funktioniert, ist selbst krank“)
„Sex Workers kommen in allen Körpern – wie unsere Kunden“
„Korrigiert ihr noch? – oder liebt ihr schon!“
„All Pathologizations are bullshit“ („Alle Pathologisierungen sind Kackscheiße“)
„Love Disability – Hate § 218 – für das Recht auf Abtreibung, Behinderung und Krankheit“
„Norm mich nicht voll – Normative Körperbilder durchkreuzen!“
„Wir pfeifen auf eure Diagnosen“

Angekommen am Kottbusser Tor wurden auf einer Bühne weitere Redebeiträge verlesen und in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Thematisch ging es unter anderem um die Ermordung von als „behindert“ eingestuften Menschen im Nationalsozialismus oder um den Zusammenhang von Behinderung und Abtreibung. Außerdem gab es Performances und DJ_anes legten auf.

Wir hoffen sehr, dass die erste Mad & Disability Pride Parade in Berlin (und Deutschland) nicht die letzte gewesen sein wird. Denn Ableismus, Pathologisierungen und Transphobie sind noch immer feste Bestandteile dieser Gesellschaft. Dass eine Welt ohne diesen ganzen Unsinn möglich – und nötig! – ist, hat die heutige Parade eindrucksvoll bewiesen. Mit unserer Teilnahme hoffen wir, einen kleinen aber feinen Beitrag zu einer verrückteren und emanzipatorischeren Gesellschaft geleistet zu haben.

F_antifa ist noch immer eine Notwendigkeit und Transgenialität sowieso. Wir sind uns sicher, dass es da draußen noch mehr mutige Menschen gibt, die ähnlich denken und für die Gründung einer eigenen f(_)antifa-Gruppe vielleicht nur auf ein Zeichen gewartet haben. Wenn dem so ist: Hier ist das Zeichen!

Fotos von der Parade:
neukoellnbild
phopectiveberlin
ubiquit23

Flugblatt zur Pride Parade »behindert und verrückt feiern«

Was ist die Gender-Queer-Fahne?

Text in Leichter Sprache

Wir sind eine Gruppe von Menschen.
Wir nennen uns transgeniale f_antifa.

Wir finden diese Parade gut.
Deshalb sind wir heute hier.

Wir möchten Euch etwas sagen.
Aber wir können Leichte Sprache nicht so gut.
Hoffentlich verstehen alle diesen Text.

Manche von uns sind Trans-Menschen. Trans-Mensch heißt:
• Ein Mensch wird als Frau geboren und lebt als Mann.
• Oder ein Mensch wird als Mann geboren und lebt als Frau.
• Oder ein Mensch lebt nicht als Frau und nicht als Mann.
• Oder ein Mensch lebt als Frau und Mann.

Manche Menschen sagen:
• Trans-Menschen sind krank.

Wir finden das falsch.
Wir sagen:
• Trans-Menschen sind nicht krank.

Darum haben wir eine Fahne dabei.
Die Fahne hat drei (3) Farben:
• Lila
• Weiß
• Dunkel-grün

Die Farben haben eine Bedeutung.
Wir möchten die Bedeutung erklären.

Die erste Farbe der Fahne ist lila.

Lila bedeutet:
• Manche Menschen sind schwul.
Schwul heißt:
• Männer, die sich in Männer verlieben.

Lila bedeutet auch:
• Manche Menschen sind lesbisch.
Lesbisch heißt:
• Frauen, die sich in Frauen verlieben.

Lila bedeutet auch:
• Manche Menschen sind bi-sexuell.
Bi-sexuell heißt: Frauen, die sich in
• Frauen,
• Männer und
• Trans-Menschen verlieben

Männer, die sich in
• Männer,
• Frauen und
• Trans-Menschen verlieben

Lila bedeutet auch:
• Manche Menschen sind Trans-Menschen.

Die zweite Farbe der Fahne ist weiß.

Weiß bedeutet:
• Ein Mensch hat kein Geschlecht.
Das heißt:
• Ein Mensch lebt nicht als Frau und
• nicht als Mann.
Das schwere Wort dafür ist: agender.
Das Wort ist Englisch.

Die dritte Farbe der Fahne ist dunkel-grün.
Dunkel-grün bedeutet:
• Ein Mensch hat ein Geschlecht.
• Aber der Mensch lebt nicht als Mann und
• nicht als Frau.
Das schwere Wort dafür ist: drittes Geschlecht.

Die Fahne hat einen Namen.
Der Name der Fahne ist:
Gender-Queer-Fahne.
Das Wort ist Englisch.

Viele Menschen sagen:
• Es gibt nur Männer und Frauen.
Das finden wir falsch.

Alle sollen wissen:
Manche Menschen leben
• nicht als Mann und
• nicht als Frau.

Deshalb haben wir heute die Gender-Queer-Fahne dabei.

Wir haben eine Seite im Internet:
www.transgenialefantifa.blogsport.de

Dieses Flugblatt wurde verteilt auf der Mad & Disability Pride Parade, am 13. Juli in Berlin

Du kannst das Flugblatt hier herunterladen.

Antifa heißt (auch) Feminismus.

Herausgeber_innenkollektiv
Fantifa
Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken
Reihe Antifaschistische Politik [RAP], Band 5
farbig, Broschur, 142×205 mm
200 Seiten, 12.80 EUR [D]
ISBN 978-3-942885-30-0 | WG 973
Neuerscheinung ca. 18. April 2013
bestellen

Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen 1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen „Geschichtsschreibung“ spielen sie kaum eine Rolle.
Das Buch „Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik“ will das ändern. Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das Herausgeber_innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus, Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.
Das Buch richtet sich an Aktivist_innen, Einsteiger_innen und Interessierte.

Herausgeber_innenkollektiv
Das Herausgeber_innenkollektiv besteht aus zwei Frauen und zwei Männern aus NRW, Bremen und Berlin, die sich in autonomen, antirassistischen und/oder antifaschistischen Zusammenhängen bewegen.